25.09.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Ex-Pfleger bezichtigt sich der Tötung in 30 Fällen

Ex-Pfleger bezichtigt sich der Tötung in 30 Fällen

Aussage gegenüber Gerichtsgutachter in Oldenburg

Der möglicherweise für zahlreiche Morde an schwerkranken Patienten verantwortliche ehemalige Krankenpfleger aus Delmenhorst hat sich einem Gerichtsgutachter zufolge selbst der mehr als 30-fachen Tötung bezichtigt.

Oldenburg - Das habe der Sachverständige im Prozess gegen den Mann berichtet, sagte ein Sprecher des Landgerichts in Oldenburg. Dort muss sich der Pfleger seit September wegen drei Morden und zwei Mordversuchen verantworten. Es besteht der Verdacht, dass er weitere Taten verübte.

Dem Gerichtssprecher zufolge sagte der psychiatrische Sachverständige aus, dass der 38-Jährige ihm gegenüber bei vier Begutachtungsgesprächen in der jüngeren Zeit einerseits die ihm in dem laufenden Verfahren zur Last gelegten Taten "ohne Wenn und Aber" eingeräumt habe. Andererseits habe er mitgeteilt, bei Patienten in etwa 90 weiteren Fällen durch die Verabreichung eines Medikaments einen medizinischen Notfall herbeigeführt zu haben, um eine Wiederbelebung zu erzwingen. 30 Betroffene hätten dies nach Angaben des Angeklagten nicht überlebt.

Alle Taten ereigneten sich diesen Angaben zufolge an dem Krankenhaus Delmenhorst, wo der Angeklagte von 2003 bis 2005 auf einer Intensivstation arbeitete. Bei seinen übrigen Tätigkeiten in anderen Kliniken, in einem Altenheim und bei Rettungsdiensten habe er dagegen nicht getötet, zitierte der Gutachter laut Gerichtssprecher den Mann.

Der Sprecher betonte zugleich, dass es sich nicht um ein Geständnis handle. Rechtlich gesehen sei es bisher nur die "Aussage eines Sachverständigen". Vor Gericht äußerte sich der Angeklagte bislang nicht.

Gegen den ehemaligen Pfleger wird schon seit Jahren ermittelt. Bereits 2008 war er wegen eines Mordversuchs zu einer Haftstrafe verurteilt worden und sitzt seitdem im Gefängnis. Aufgrund weiterer Ermittlungen klagte die Staatsanwalt ihn dann vor rund einem Jahr wegen weiterer drei Morde und zweier Mordversuche an. Immer soll der Mann Patienten ein bestimmtes Herzmedikament gespritzt haben, das Herzrhythmusstörungen und Blutdruckabfall auslöst. Der Anklage zufolge wollte er seine Fähigkeiten bei der Wiederbelebung unter Beweis stellen und teils auch aus Langeweile gehandelt haben.

Unklar ist bislang, warum Ermittler und Krankenhaus das mögliche Ausmaß der mutmaßlichen Verbrechensserie des Mannes nicht früher erkannten oder untersuchten. Die Oldenburger Generalstaatsanwaltschaft leitete inzwischen ein Verfahren gegen zwei frühere Staatsanwälte ein. Dieses soll klären, ob es bei den Ermittlungen Versäumnisse gab. Die Staatsanwaltschaft ermittelt außerdem unter anderem gegen Verantwortliche der Klinik Delmenhorst.

Eine inzwischen eingerichtete Sonderkommission "Kardio" von Polizei und Staatsanwaltschaft ist derzeit dabei, systematisch alle Todesfälle im früheren beruflichen Umfeld des Angeklagten zu untersuchen. Im Zweifelsfall sollen Leichen exhumiert und obduziert werden, um die Todesumstände zu ergründen. Der 38-Jährige arbeitete vor 2008 auch in Krankenhäusern in Wilhelmshaven sowie in Oldenburg. Zudem war er kurz in einem Wilhelmshavener Altenheim beschäftigt und engagierte sich laut Polizei nebenberuflich als Rettungsassistent in Rettungswagen.

(xity, AFP)


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