19.09.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Ex-Bürgermeister von Tröglitz für Integrationsbetreuer

Ex-Bürgermeister von Tröglitz für Integrationsbetreuer

Rückzug wegen Drucks von Rechts sorgte für Bestürzung

Der ehrenamtlich tätige Bürgermeister von Tröglitz, Markus Nierth, war vergangene Woche zurückgetreten, weil Rechtsextreme vor seinem Wohnhaus gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in der Gemeinde demonstrieren wollten.

Tröglitz - Der zurückgetretene Bürgermeister von Tröglitz in Sachsen-Anhalt hat sich für die Einsetzung von Integrationsbetreuern ausgesprochen. So solle die steigende Zahl der Flüchtlinge besser bewältigt werden.

Markus Nierth (parteilos) sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", zwar sei in seinem Ort ein Sozialbetreuer für die Asylbewerber vorgesehen. Benötigt werde aber auch ein "Integrationsbetreuer" als Ansprechpartner für die Bevölkerung, weil eine Sozialstruktur fehle, "in der sich Ehrenamtliche automatisch einbringen".

Der ehrenamtlich tätige Bürgermeister war vergangene Woche zurückgetreten, weil Rechtsextreme vor seinem Wohnhaus gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in der Gemeinde demonstrieren wollten. Nierth sah sich und seine Familie vom Landratsamt und anderen Behörden nicht ausreichend geschützt und zog die Konsequenzen. Der Bürgermeister hatte zuvor versucht, wegen der geplanten Aufnahme der Flüchtlinge auch unter den Bürgern zu vermitteln. Ab Mai sollen 40 Flüchtlinge in Tröglitz untergebracht werden.

Nierths Rücktritt hatte für Bestürzung gesorgt und ihm zahlreiche Solidaritätsbekundungen eingebracht. Er sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", dass ihn und seine Familie nun vor allem die Reaktionen vor Ort beeindruckten. Es gebe "viele, herzliche, echt gemeinte spontane Besuche, auch von Leuten, die sich sonst nicht so aus der Deckung trauen", sagte er. Sachsen-Anhalt will als Konsequenz aus dem Fall Nierth Ehrenamtliche fortan besser schützen.

(xity, AFP)


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