EU erwartet Impfstoff-Liefervertrag mit Biontech und Pfizer

Gesundheitsminister Spahn rechnet mit bis zu 100 Millionen Dosen für Deutschland

Kurz nach Bekanntgabe positiver Daten zur Wirksamkeit eines potenziellen Corona-Impfstoffs der Pharmafirmen Biontech und Pfizer stehen die EU und die beiden Unternehmen unmittelbar vor dem Abschluss eines Liefervertrags.

Berlin - Nach Angaben der EU-Kommission vom Dienstag sind die Verhandlungen abgeschlossen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte, der finale Vertragsabschluss sei "in den nächsten Tagen" zu erwarten.

Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten am Montag weltweit mit der Mitteilung für Erleichterung gesorgt, dass ein von ihnen entwickelter Impfstoffkandidat in der großangelegten klinischen Zulassungsstudie einer ersten Auswertung zufolge Coronainfektionen zu 90 Prozent verhindere. Sie wollen demnach bald eine beschleunigte Zulassung in den USA beantragen.

Wie Biontech am Dienstag mitteilte, schlossen beide Firmen bislang Lieferverträge über 570 Millionen Impfstoffdosen mit Regierungen ab, dazu kommen noch Optionen für weitere 600 Millionen Dosen. Biontech und Pfizer gingen demnach davon aus, im Fall eines erfolgreichen Abschlusses der Tests und einer Zulassung in diesem Jahr 50 Millionen Dosen und im nächsten Jahr bis zu 1,3 Milliarden Dosen ausliefern zu können. Pro Impfung werden zwei Dosen benötigt.

Zu den Vertragspartnern der Unternehmen gehören demnach etwa die EU, die USA, Kanada, Großbritannien und Japan. Mit der EU gibt es einen Vorvertrag zur Reservierung von 200 Millionen Dosen und eine Lieferoption für weitere 100 Millionen Dosen. Die Gespräche über den formellen Kaufvertrag endeten laut EU-Kommission am Dienstag, am Mittwoch will sie abschließend über den Abschluss entscheiden.

Die EU-Kommission bekräftigte ferner, dass alle EU-Staaten gemäß ihrem Bevölkerungsanteil Impfstoff zugewiesen bekommen sollten. Rechnerisch wären dies für Deutschland bei dem Mittel von Pfizer und Biontech maximal 56 Millionen Dosen. Spahn sagte dagegen am Dienstag vor Journalisten in Berlin, er gehe davon aus, dass die Bundesrepublik "bis zu 100 Millionen" Impfdosen erhalten werde.

Ein Sprecher der EU-Kommission bekräftigte am Dienstag in Brüssel auf AFP-Anfrage, dass bei der Verteilung des Impfstoffs weiterhin der Anteil an der EU-Bevölkerung einziges Kriterium sei. Dies sei das einzig "faire Kriterium". Deutschlands Bevölkerungsanteil in der EU liegt nach den Daten der Statistikbehörde Eurostat bei 18,6 Prozent. Bei der Maximalzahl von 300 Millionen Dosen stünden für die Bundesregierung rechnerisch 56 Millionen Dosen zur Verfügung.

Spahn und die EU-Kommission verwiesen zudem auf Unterschiede bei den Zulassungsverfahren in den USA und Europa. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA müsse noch weitere Tests an dem Wirkstoff von Biontech und Pfizer vornehmen, hieß es aus EU-Kreisen. Eine Zulassung in Europa sei daher frühestens "Anfang kommenden Jahres" realistisch. Spahn betonte, auch in Europa gebe es Möglichkeiten zur Beschleunigung der Zulassung. Vorgaben etwa zu potenziellen Nebenwirkungen von Impfstoffen würden dabei aber nicht abgesenkt.

Der CSU-Gesundheitsexperte Georg Nüßlein forderte alle Beteiligten zu einem zeitlich abgestimmten Zulassungsverfahren in den USA und in der EU auf. Es dürfe "keine deutlichen zeitlichen Unterschiede zwischen der amerikanischen und der europäischen Zulassung" geben, sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Es müsse daran gearbeitet werden, dies trotz unterschiedlicher Maßstäbe zu erreichen. Die Firmen sollten die Zulassung parallel beantragen.

Die französische Regierung reagierte derweil zurückhaltend auf die Nachricht zu dem möglichen ersten Impfstoff gegen Corona. Die Entwicklung sei zwar "ermutigend", sagte ein Regierungssprecher am Dienstag in Paris. "Für die zweite Corona-Welle, die wir derzeit erleben, ist der Impfstoff aber noch keine Lösung", betonte er.

(xity, AFP)