26.09.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> EU-Nothilfe für Flüchtlinge in Griechenland gefordert

EU-Nothilfe für Flüchtlinge in Griechenland gefordert

Pro Asyl sieht "realitätsferne Quotendebatte" der EU

Angesichts sprunghaft gestiegener Flüchtlingszahlen in Griechenland hat Pro Asyl die EU-Staaten aufgefordert, das vom Staatsbankrott bedrohte Land mit einem Krisenfonds zur Aufnahme und Versorgung der Migranten zu unterstützen.

Berlin - Auf mehreren griechischen Inseln zeichne sich ein "humanitärer Notstand" ab, weil vor allem aus Syrien immer Menschen über das Mittelmeer in das EU-Land kämen, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt der Nachrichtenagentur AFP.

Burkhardt forderte die am Dienstag tagenden EU-Innenminister auf, dem Land umgehend zu helfen anstatt über Monate eine "realitätsferne Quotendebatte" zur Flüchtlingsverteilung in Europa zu führen.

"Die Finanzkrise ist das Thema Nummer eins in Europa, aber die humanitäre Krise bleibt unbeachtet", sagte Burkhardt. Vor allem Flüchtlinge aus Syrien müssten die Möglichkeit bekommen, von Griechenland aus in andere EU-Länder weiter zu reisen, wo bereits Landsleute aus dem Bürgerkriegsland lebten. Insbesondere Deutschland müsse sich zur Aufnahme von Syrern bereit erklären.

Bis Anfang Juni seien bereits 48.000 Menschen über das Mittelmeer nach Griechenland geflohen, sagte der Pro-Asyl-Geschäftsführer. "Täglich kommen hunderte vor allem auf den Inseln Lesbos und Kos an, die vollkommen überfordert sind." Es herrschten dort "menschenunwürdige Zustände", weil dem finanziell ausgebluteten Griechenland das Geld fehle, die Menschen zu versorgen. "Den Flüchtlingen fehlt es an allem: an Unterbringung, Kleidung und medizinischer Versorgung."

Burkhardt rechnet damit, dass sich die Lage in Griechenland in den kommenden Wochen weiter verschärfen wird. "Da ist kein Ende in Sicht", sagte er. "Der Sommer hat ja erst begonnen, wenn die Zahl der Überfahren wegen des günstigen Wetters zunimmt." Pro Asyl rechnet Burkhardt zufolge in diesem Jahr in Griechenland mit einer sechsstelligen Zahl von Flüchtlingen.

Wegen der stark ansteigenden Flüchtlingszahlen hatte die EU-Kommission Ende Mai vorgeschlagen, 40.000 Migranten, die sich bereits in Italien und Griechenland befinden, über ein Quotensystem auf alle Mitgliedstaaten zu verteilen. Der Plan stößt jedoch bei einer Reihe von Mitgliedstaaten insbesondere aus Osteuropa auf Ablehnung, so dass ein verpflichtendes Quotensystem derzeit keine Chance hat.

Die EU-Innenminister befassen sich am Dienstag bei ihrem Treffen in Luxemburg mit dem Vorhaben und prüfen dabei auch, inwieweit die Pläne auf freiwilliger Basis umgesetzt werden könnten.

(xity, AFP)


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