Ethikrat: Patientenwohl gehört stärker in Fokus der Krankenhausversorgung

Expertengremium fordert Mindestquoten für Pflegekräfte und bessere Kommunikation

Nach Auffassung des Deutschen Ethikrates muss sich die Versorgung in den Kliniken wieder stärker am Patientenwohl orientieren.

Berlin - Das forderte das Expertengremium in einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Stellungnahme. Der Rat empfiehlt unter anderem eine bessere Kommunikation zwischen Ärzten, Pflegern und Patienten sowie Mindestquoten für Pflegekräfte in den Kliniken.

Zwar liege Deutschland bei der Krankenhausdichte und der finanziellen Ausstattung im internationalen Vergleich insgesamt auf einem hohen Niveau. Der zunehmende ökonomische Druck im Krankenhaussektor und die damit verbundenen Auswirkungen auf das Patientenwohl gäben allerdings "Anlass zur Sorge", heißt es in dem Papier.

So gehe die Konzentration auf besonders gewinnbringende Behandlungsverfahren zu Lasten anderer notwendiger Therapieangebote. Zudem verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen des Krankenhauspersonals aufgrund von Zeitmangel und chronischer Überlastung.

Der Ethikrat fordert daher eine "nachhaltige Verbesserung der Pflegesituation" in den Kliniken. Nötig seien Mindestquoten für Pflegefachkräfte sowie feste Personalschlüssel, die sich je nach Station an der Zahl der Patienten und dem Pflegebedarf orientierten.

Zudem solle die Versorgung von mehrfach erkrankten sowie hochbetagten Patienten oder für Menschen mit seltenen Erkrankungen besser vergütet werden. Auch der Aufwand für eine verbesserte Kommunikation zwischen Patienten, Ärzten und Pflegern müsse bei der Vergütung berücksichtigt werden, forderte der Rat.

Um unnötige Eingriffe zu vermeiden, plädieren die Experten in bestimmten Fällen für eine stärkere "Beobachtung" von Patienten, was sich ebenfalls in der Abrechnung niederschlagen und nicht sanktioniert werden sollte. Auch der spezielle Bedarf unterschiedlicher Patientengruppen wie Kinder, dementer oder behinderter Menschen sowie von Menschen mit Migrationshintergrund müsse stärker berücksichtigt werden. Insgesamt listete der Ethikrat 29 Empfehlungen auf.

Dem Deutschen Ethikrat gehören 26 Mitglieder an, die je zur Hälfte auf Vorschlag des Bundestags und der Bundesregierung berufen werden. Darunter sind etliche Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen. Das Gremium berät in zentralen ethischen Fragen und gibt regelmäßig Stellungnahmen ab.

Bereits in der Vergangenheit hatte der Ethikrat kritisiert, das auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtete Finanzierungssystem im Krankenhaussektor sei ein zentrales Problem der Patientenversorgung. Der ethische Anspruch auf der einen und der Kostendruck auf der anderen Seite sei nur schwer miteinander vereinbar.

(xity, AFP)