Ersthelfer-App hilft Leben retten

Erprobung im Echtbetrieb gestartet

Ersthelfer-Apps haben sich bewährt. Sie führen Ehrenamtliche zu Notfällen in ihrer Nähe.

Kreis Soest - Ersthelfer-Apps haben sich bewährt. Sie führen Ehrenamtliche zu Notfällen in ihrer Nähe, die vor Ort mit der Wiederbelebung starten und wertvolle Zeit überbrücken, bis der Rettungsdienst eintrifft. Jetzt wird das System auch im Kreis Soest im Echtbetrieb erprobt, und zwar zunächst mit professionellen Helferinnen und Helfern. Danach können sich auch interessierte Bürgerinnen und Bürger beteiligen. Zu welchem Zeitpunkt, das hängt von der pandemischen Lage ab und wird Anfang 2022 entschieden.

Den Beschluss des Kreistages zur Einführung der Ersthelfer-App hat die Abteilung Rettungsdienst, Feuer- und Katastrophenschutz in den vergangenen Monaten akribisch umgesetzt. Nach der Ausschreibung einer App, der Klärung von Versicherungsfragen und der Installation der notwendigen Software stand die Schulung der Leitstelle sowie der Helferinnen und Helfer von Hilfsorganisationen, Feuerwehr und THW auf dem Programm. Außerdem galt es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rettungsdienstes zu informieren. Zum Einsatz kommt die Alarmierungs-App corhelper.

Wenn ein Notruf über 112 eingeht, nimmt die Rettungsleitstelle die notwendigen Daten auf und alarmiert einerseits den Rettungsdienst und andererseits über die App registrierte Freiwillige, die sich in der Nähe des Einsatzortes befinden. Sie müssen über eine Mindestqualifikation verfügen, sprich einen zertifizierten Erste-Hilfe-Kurs nachweisen, der nicht älter als zwei Jahre ist und nach Ablauf dieser Frist zu wiederholen ist. Weitere Voraussetzungen sind ein Handy mit Android- oder iOS-Betriebssystem und das erfolgreiche Absolvieren einer Online-Schulung zur Ersthelfer-App. Helferinnen und Helfer sind über den Kreis Soest versichert, und zwar mit einer Unfall- und Haftpflichtversicherung.

Hans-Peter Trilling, ärztlicher Leiter beim Rettungsdienst des Kreises Soest, erläutert die Zielsetzung: „Die App soll bei gemeldeten Herz-Kreislauf-Stillständen bis zu zwei Helferinnen bzw. Helfer zum Einsatzort dirigieren und so die Hilfsfrist verkürzen. Eine weitere Kraft soll nach Möglichkeit einen Automatischen Externen Defibrillator (AED) zur Einsatzstelle bringen. Wir werden das System mit Hilfe eines Qualitätsmanagements ständig überwachen und die Ergebnisse und Abläufe der Einsätze jeweils auswerten.“

Wie sinnvoll und hilfreich die Ersthelfer-App sein kann, das hat sich schon vor dem probeweisen Echtbetrieb herausgestellt. Sven Wiese vom DRK-Kreisverband Lippstadt-Hellweg, ausgebildeter Notfallsanitäter, hatte sich als einer der Testnutzer im Kreis Soest zur Verfügung gestellt und die App bereits auf seinem Handy installiert, bevor diese im Kreis Soest alarmiert werden konnte. Bei einem überörtlichen Einsatz mit der 5. Bereitschaft der Kreise Unna, Hamm und Soest im Juli im Hochwasser-Schadensgebiet in Eschweiler ging ein corhelper-Alarm von der dortigen Leitstelle auf seinem Handy ein. Kurzentschlossen machte er sich mit einem KTW des DRK-Ortsvereins Werl samt Besatzung auf den Weg und konnte einer Patientin an einem evakuierten Seniorenheim helfen. Das Team eines Rettungshubschraubers traf erst einige Minuten später ein und übernahm. „Im Falle einer Reanimation hätten hier alle Glieder der Rettungskette bestens ineinandergegriffen“, zieht Sven Wiese eine positive Bilanz seines überraschenden ersten Einsatzes per Ersthelfer-App.