Entwicklungsminister Müller fordert Durchbruch beim globalen Artenschutz

Konferenz zur Biodiversität beginnt am Montag

Vor dem Beginn der globalen Konferenz zur Artenvielfalt im chinesischen Kunming hat Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) mehr Engagement von der Weltgemeinschaft gefordert.

Vor dem Beginn der globalen Konferenz zur Artenvielfalt im chinesischen Kunming hat Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) mehr Engagement von der Weltgemeinschaft gefordert. "In den kommenden Monaten muss ein Durchbruch beim Artenschutz gelingen wie beim Pariser Klimaabkommen für den Klimaschutz", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Sonntag. "Wir haben keine Zeit zu verlieren." Jeden Tag würden 150 Arten aussterben. Von Gastgeber China erwarte er eine Führungsrolle.

Müller rief die Industrieländer dazu auf, ihre Mittel zum Erhalt der Biodiversität in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verdoppeln. Der Minister verwies darauf, dass drei Viertel der artenreichsten Gebiete in ärmeren Ländern lägen, die sich Schutzgebiete kaum leisten können. "Deutschland sollte in der kommenden Legislaturperiode seinen Beitrag daher auf eine Milliarde Euro jährlich erhöhen", forderte Müller. "Auch die Privatwirtschaft sollte sich an der Finanzierung beteiligen, denn sie trägt eine Mitverantwortung am weltweiten Artensterben."

Darüber hinaus forderte der Minister, 30 Prozent der Land- und der Meeresflächen unter Schutz zu stellen. "Davon sind wir aber meilenweit entfernt", kritisierte er. "Bislang sind erst acht Prozent der Meeres- und 17 Prozent aller Landflächen geschützt." Müller zufolge sind zudem Mindeststandards für Lieferketten zum Schutz von Wäldern nötig. "In Rotterdam oder Hamburg darf kein Schiff mehr anlegen, das Palmöl- und Sojaprodukte aus nicht zertifizierter Produktion zu uns bringt", sagte er. "Naturzerstörung darf nicht länger profitabel sein."

Müller betonte: "Je mehr natürliche Lebensräume vernichtet werden, umso größer wird auch die Gefahr, dass weitere Viren vom Tier auf den Menschen überspringen und schwere Krankheiten auslösen." Coronavirus, Ebola oder Aids "müssen uns Warnung sein, den Schutz der Artenvielfalt weltweit zur Chefsache zu machen."

Auftakt der Weltbiodiversitätskonferenz ist am Montag. Der politische Teil findet in dieser Woche größtenteils virtuell statt. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) leitet dabei die deutsche Delegation. Auch Entwicklungsminister Müller nimmt teil. In Kunming soll dann bei einem Präsenz-Gipfel vom 25. April bis 8. Mai ein globales Artenschutzabkommen mit Zielen bis 2030 vereinbart werden.

© 2021 AFP