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Endlos-Debatte um das Leipziger Einheitsdenkmal

Vor Jubiläum zum Wendeherbst schwelt Streit um Denkmal

Gut ein Vierteljahr vor dem Jubiläum der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR ist die Realisierung des Leipziger Einheitsdenkmals noch immer ungewiss.

Leipzig - Die Bilder von den Montagsdemonstrationen in Leipzig gingen 1989 um die Welt. Als damals am 9. Oktober rund 70.000 DDR-Bürger um den Stadtring zogen und sich mit dem Ruf "Wir sind das Volk" Armee und Polizei entgegenstellten, war die friedliche Revolution nicht mehr aufzuhalten. Die Massenproteste läuteten das Ende der DDR ein. 25 Jahre später wird immer noch darüber gestritten, wie dieses Ereignis angemessen zu würdigen ist. Gut ein Vierteljahr vor dem Jubiläum ist die Realisierung des Leipziger Einheitsdenkmals noch immer ungewiss.

Bereits 2008 hatte der Bundestag die Bundesregierung aufgefordert, neben dem geplanten Denkmal in Berlin auch ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig zu errichten. Der Bund hat fünf Millionen Euro zugesagt, vom Land Sachsen kommen 1,5 Millionen. Leipzig steuert das Grundstück bei. Doch weder das Berliner Einheitsdenkmal - eine 50 Meter lange, begehbare Schale - noch das Leipziger Projekt sind bislang im Bau. Nach Ansicht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ist der Bau von Denkmälern "immer schon zeitintensiv und kontrovers gewesen".

Dabei gab es in Leipzig längst einen Siegerentwurf. Der in einem Wettbewerbsverfahren gekürte Entwurf sieht 70.000 einzelne, farbige Podeste vor, die - so die Absicht - mitgenommen werden könnten. In der Öffentlichkeit stieß der Entwurf allerdings auf Kritik. Die Projekte wurden überarbeitet mit der Folge, dass der zunächst Erstplatzierte dem drittplatzierten Entwurf weichen musste, der eine gartenähnliche Gestaltung des Gedenkorts vorschlägt. All dies mündete schließlich in einem Rechtsstreit.

Im Leipziger Stadtrat gibt es derzeit keine Mehrheit für einen der favorisierten Entwürfe. Die Linkspartei fordert einen Bürgerentscheid. Die Grünen schlagen vor, das Einheitsdenkmal erst zum 50. Jahrestag zu errichten. Auch SPD-Stadtrat Axel Dyck hält den jetzigen Zeitpunkt für die Umsetzung des Denkmals "für unmöglich". Es sei versäumt worden, eine "positive Stimmung" für ein Denkmal zu schaffen. Nach wie vor gibt es auch Stimmen, die solch ein Einheitsdenkmal für überflüssig halten.

Ein Ende des bisherigen Wettbewerbsverfahrens und ein neuer Anlauf sind denkbar. Damit steht auch der geplante Standort für das Einheitsdenkmal auf einer Brachfläche nahe der Innenstadt in Frage. Damit bietet sich zugleich die Chance, auch noch einmal über die Form des Erinnerns nachzudenken.

Das alljährliche Leipziger Lichtfest am 9. Oktober, zu dem am 25. Jahrestag der friedlichen Revolution in diesem Jahr wieder Zehntausende erwartet werden, könnte dabei durchaus als Vorbild dienen. Musik, Lichtinstallationen und andere Darbietungen entlang des historischen Demonstrationsweges sollen an den Herbst 1989 erinnern.

Es gehe darum, den 9. Oktober 1989 "im Bewusstsein der Menschen wachzuhalten", sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Wann das Denkmal realisiert werde, sei dabei nicht die wichtigste Frage.

Ungeachtet der leicht quälenden Denkmal-Debatte finden sich in Leipzig ohnehin auch heute schon Orte, die an die friedliche Revolution erinnern. Eine Dauerausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum informiert über Widerstand, Opposition und Zivilcourage in der DDR. Vor der Nikolaikirche steht bis heute das Schild "Offen für alle", mit dem damals alle Menschen eingeladen wurden, sich an den Friedensgebeten zu beteiligen. Die Kirche war damals Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen.

Auf dem Kirchhof symbolisieren zudem mehr als 140 leuchtende Pflastersteine das Zusammenströmen der Menschen. Es gibt außerdem eine Gedenktafel, eine eiförmige Demokratieglocke und eine mit Palmwedeln gekrönte Gedenksäule, die den Säulen im Kirchenschiff nachempfunden ist und an den Wendeherbst erinnern soll.

(xity, AFP)


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