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EKD-Synode wählt in Dresden Schneider-Nachfolger

Evangelische Kirche sucht den Kopf der Zukunft

Auf der heute in Dresden beginnenden EKD-Synode könnten die Weichen neu gestellt werden - bei der Wahl eines neuen Ratsvorsitzenden sind Überraschungen möglich.

Dresden - Im kommenden Februar ist es fünf Jahre her, dass Margot Käßmann bei einer Alkoholfahrt erwischt wurde und als Konsequenz ihr Amt als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nach nur vier Monaten aufgab. Viele Protestanten sehen die Jahre seither als verlorene Zeit. Auf der heute in Dresden beginnenden EKD-Synode könnten nun die Weichen neu gestellt werden - bei der Wahl eines neuen Ratsvorsitzenden sind Überraschungen möglich.

Nach dem Käßmann-Schock war ihr Stellvertreter im Rat der EKD, Präses Nikolaus Schneider, in die Bresche gesprungen. Schneider wollte das wichtigste repräsentative Amt der Protestanten in Deutschland eigentlich gar nicht haben. Entsprechend zurückhaltend füllte er es aus: Menschlich überzeugte der Ratsvorsitzende viele, doch fehlt ihm das Charisma und der Drang in die Öffentlichkeit. Wegen einer Krebserkrankung seiner Frau kündigte Schneider in diesem Sommer nun seinen vorzeitigen Rückzug an.

Die EKD steht damit vor einem neuerlichen Dilemma. Denn die Amtszeit einer Synode dauert immer sechs Jahre, diese sechs Jahre sind aber erst in einem Jahr um. Das heißt, der bei der Wahl am kommenden Dienstag neu bestimmte Ratsvorsitzende bekommt sein Amt zunächst nur für ein Jahr.

Dies hat nach Berichten von Mitgliedern der 126 Männer und Frauen starken Synode zu zwei Meinungen geführt. Ein Lager sagt, für die Schneider-Nachfolge ist eine Übergangslösung sinnvoll. Erst die nächste - zum Teil neu besetzte - Synode soll dann in einem Jahr die langfristige Lösung suchen. Das andere Lager sagt, nun müssen die Weichen für mehrere Jahre gestellt werden.

Langfristige Weichenstellungen wünschen in der EKD vor allem diejenigen, die das Jahr 2017 im Blick haben. Dann ist das 500. Reformationsjubiläum - für die evangelische Kirche ein Großereignis, das schon jetzt seine Schatten voraus wirft. Und es ist ein Ereignis, das einen starken Repräsentanten verlangt.

In den Spekulationen tauchen zwei Namen besonders häufig auf. Für den Fall einer Übergangslösung mit nur einjähriger Amtszeit wird vor allem der sächsische Bischof Jochen Bohl genannt, der derzeit stellvertretender Ratsvorsitzender ist. Bohl erreicht in einem Jahr die Ruhestandsgrenze von 65 Jahren und könnte sich dann lautlos wieder zurückziehen.

Für den Fall einer Entscheidung schon jetzt für eine langfristige Lösung fällt besonders häufig der Name Heinrich Bedford-Strohm: Der 54-jährige bayerische Landesbischof genießt durch seine vielfältigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen ein hohes Ansehen als Theologe, zeigte sich zugleich in zahlreichen Interviews meinungsstark in weltlichen Fragen.

Doch auch wenn der Name Bedford-Strohms häufig genannt wird, ist seine Wahl kein Selbstläufer. Am Dienstag wird sich zunächst der aus 15 Theologen und Laien bestehende Rat der EKD zurückziehen und dann der Synode einen einzelnen Kandidaten für den Ratsvorsitz vorschlagen. Im Anschluss müssen die 126 Synodalen diesem Vorschlag mit mindestens zwei Dritteln zustimmen. In der mit der Unterscheidung nach Lutheranern, Reformierten und Unierten unübersichtlichen EKD steckt da immer mal wieder Potenzial für Überraschungen. So kursiert unter den Protestanten auch die Frage, ob nicht wieder eine Frau an der Reihe wäre.

Eine spannende Frage ist, ob die Synode bei so vielen Unsicherheiten zu einer klaren Lösung kommt und ob sich die EKD nach ihren personellen Fragen damit wieder stärker auf Sachfragen konzentrieren kann. Denn in Dresden soll es auch um das eigentliche Schwerpunktthema "Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft" gehen sowie um Positionierungen etwa zu Sterbehilfe oder Flüchtlinge.

(xity, AFP)


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