Ein Mauer-Museum für die Generation YouTube

"The Wall Museum East Side Gallery" feierlich in Berlin eröffnet

Die deutsche Hauptstadt ist um ein Mauer-Museum reicher.

Berlin - Der "Scorpions"-Sänger Klaus Meine eröffnete am Mittwochabend offiziell das "The Wall Museum" an der East Side Gallery, Berlins längstem und besterhaltenem Mauerstück. Das private Museum in dem historischen Altbau Mühlenspeicher an der Oberbaumbrücke zielt mit seinen auf zahlreichen Bildschirmen dargestellten Videoclips vor allem auf die Sehgewohnheiten jüngerer Berlin-Besucher.

Das Museum erstreckt sich über das gesamte zweite Stockwerk des früheren Speichers und ist bereits seit dem 26. März im Betrieb. Es befindet sich an einem der größten Publikumsmagnete der Hauptstadt, denn noch immer gehört ein Foto vor den künstlerisch gestalteten Mauerresten der East Side Gallery zum Pflichtprogramm jedes Berlin-Touristen. Viele potenzielle Besucher also für das vierte Mauer-Museum nach der Gedenkstätte Bernauer Straße sowie dem Haus und dem Mauer-Panorama am Checkpoint Charlie.

Auf die Beine stellten "The Wall Museum" unter anderem der Produzent und Event-Veranstalter Jaka Bizilj, unterstützt von dem langjährigen ZDF-Chefhistoriker Guido Knopp. Knopp überreichte im Rahmen der Eröffnungszeremonie ein seltenes Originalflugblatt, das zur großen Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 aufruft. "Eine Leihgabe aus meinem Privatarchiv", sagte Knopp.

Bizilj versprach für die Zukunft noch mehr Originalrequisiten. Abgesehen von einem Wohnzimmer im DDR-Stil der 60er Jahre und einem Modell des Defibrillators, mit dem der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) nach einem Herzinfarkt ausgestattet wurde, sind Anschauungsobjekte in dem neuen Museum derzeit rar.

"Wir versuchen alle Themen auch filmisch aufzuarbeiten", sagte Bizilj. Dies sei das Alleinstellungsmerkmal im Unterschied zu den Konkurrenzmuseen. Tatsächlich ist jeder der 13 chronologisch gegliederten Ausstellungsräume ausgefüllt mit großen und kleinen Flachbildschirmen sowie Projektoren. Mehr als hundert Geräte bringen so dem Besucher die Mauergeschichte in Bewegtbildern nahe. Zusätzlich gibt es einige Tafeln mit Erklärtexten.

Die Initiatoren sprachen mit zahlreichen Zeitzeugen, darunter Bürgerrechtler, Künstler, der ehemalige US-Außenminister James Baker, der frühere Staatschef der UdSSR, Michail Gorbatschow, und Genscher. Das Museum widmet sich in besonderer Weise den historischen Leistungen des kürzlich verstorbenen Ex-Außenministers, dessen Pendeldiplomatie zur Öffnung der Grenzen Ungarns im Sommer 1989 und seinem Einsatz für die Prager Botschaftsflüchtlinge.

Dabei machen die Ausstellungsinitiatoren keinen Hehl daraus, dass es ihnen vor allem um die emotionalen Aspekte des Themas geht: DDR-Flüchtlinge, Mauertote, die vielen Beinahe-Eskalationen des Kalten Krieges, die thrillerartige Wiedervereinigungsdiplomatie und schließlich Montagsdemonstrationen und Mauerfall.

Dass die Mauer früh Teil der Popkultur wurde, kommt ebenfalls nicht zu kurz. Dem Giga-Konzert "The Wall" von Pink-Floyd-Musiker Roger Waters ist ein eigener Raum gewidmet. In diesem Zusammenhang steht auch der Besuch von Klaus Meine bei der Museumseröffnung. Seine Scorpions lieferten mit "Wind of Change" den Song zur Wiedervereinigung. Nun ist das Lied selbst Teil der Geschichte - und Meine wird nicht müde zu sagen, wie tief ihn das alles bewegt. Die "Goldene Schallplatte" für das Album soll künftig ebenfalls einen Platz im Museum finden.

(xity, AFP)