Ehemaliger MDR-Intendant Udo Reiter ist tot

70-Jähriger trat für Recht auf selbstbestimmtes Sterben ein

Der ehemalige MDR-Intendant Udo Reiter ist tot.

Leipzig - Der 70-Jährige sei am Freitagvormittag leblos auf dem Grundstück seines Hauses in Gottscheina bei Leipzig gefunden worden, sagte ein Sprecher der Polizei. Weitere Details etwa zur Todesursache nannten die Ermittler mit Rücksicht auf die Angehörigen nicht. Reiter trat seit Jahren für ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben ein.

Der am 28. März 1944 in Lindau am Bodensee geborene Reiter war einer der prägenden Köpfe im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den vergangenen Jahrzehnten. So wurde Reiter nach der Abwicklung des DDR-Rundfunks nach der Wiedervereinigung von 1991 an Gründungsintendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Er leitete den Sender bis zu seinem Rückzug in den Ruhestand 2011 zwanzig Jahre lang.

MDR-Intendantin Karola Wille würdigte ihren Vorgänger als einen "der großen Gestalter einer neuen demokratischen Mediengesellschaft im wiedervereinigten Deutschland. Ein Visionär, der mit Kraft, Überzeugung und politischem Geschick den gerade erst formierten neuen Strukturen in den neuen Bundesländern eine publizistische Stimme gegeben hat."

Vor seiner Funktion beim MDR war Reiter Chefredakteur und Hörfunkdirektor beim Bayerischen Rundfunk. Dort betrieb er auch die Gründung des ersten reinen Informationskanals im deutschen Rundfunk, den Nachrichtensender B5 aktuell im Jahr 1991. BR-Intendant Ulrich Wilhelm erklärte, der Tod Reiters bestürze ihn zutiefst. "Mit ihm verlieren wir eine große Persönlichkeit, einen brillanten Denker, einen humorvollen und hochgebildeten Freund, der in der deutschen Medienlandschaft deutliche Spuren hinterlassen hat."

Reiter war außerdem von Gründung des Deutschlandradios im Januar 1994 bis zum Sommer diesen Jahres Mitglied im Verwaltungsrat des Senders, von 1999 bis 2004 in der Funktion des Vorsitzenden. Der jetzige Verwaltungsratschef, ZDF-Intendant Thomas Bellut, erklärte, Reiter sei an Aufbau und Entwicklung des Deutschlandradios "ganz maßgeblich" beteiligt gewesen und habe den Sender bis heute mit geprägt.

Reiter saß seit seinem 23. Lebensjahr nach einem Autounfall im Rollstuhl. Er gehörte zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die offensiv für ein selbstbestimmtes Ende des Lebens eintraten. So war er seit 17 Jahren Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS). Diese würdigte ihn als "mutigen Mitstreiter für das Selbstbestimmungsrecht bis zum Lebensende".

In seinen im vergangenen Jahr erschienenen Memoiren stritt er für die Selbstbestimmung über den eigenen Tod. In der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" sagte er noch in der vergangenen Woche: "Wenn das Recht auf Selbstbestimmung, die Grundlage unserer Verfassung, für das ganze Leben als Grundsatz gilt, warum soll das nicht für die letzte Phase, das Sterben, auch noch gelten?" Er hatte mehrfach erklärt, nicht als Pflegefall enden zu wollen.

Reiter hinterlässt seine zweite Frau, die Journalistin Else Buschheuer, mit der er seit 2012 verheiratet war. Aus erster Ehe hat er zudem eine erwachsene Tochter.

(xity, AFP)