Dringende Forderungen nach vorgezogener Corona-Impfung für Lehrkräfte

In mehreren Bundesländern startet Montag wieder der Präsenzunterricht

Angesichts der anstehenden Schulöffnungen in mehreren Bundesländern hat der Deutsche Lehrerverband weitere Schutzmaßnahmen sowie vorgezogene Corona-Impfungen für Lehrer gefordert.

Anlässlich der Schulöffnungen in mehreren Bundesländern mehren sich die Forderungen nach vorgezogenen Impfungen für Lehrkräfte. Der Deutsche Lehrerverband forderte am Wochenende, wer jetzt in den Präsenzunterricht zurückkehre, müsse bevorzugt geimpft werden. Die Bundesschülerkonferenz drang auf eine Pflicht zum Tragen medizinischer Masken an Schulen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet unterdessen damit, dass neben Erziehern auch Lehrkräfte bald geimpft werden können - allerdings nur Grundschullehrer.

"Eine bloße Priorisierung von Grundschullehrkräften greift zu kurz", sagte der Präsident des Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, der "Rheinischen Post". Während kleinere Kinder eher die persönliche Nähe suchten, bestehe bei älteren Schülern eine höhere Ansteckungsgefahr. "In beiden Fällen sind Impfungen wichtig." Am Montag beginnt in zehn Bundesländern in vielen Einrichtungen wieder der Präsenzunterricht. Auch in Kitas werden wieder mehr Kinder aufgenommen.

Der Schutz in den Klassenzimmern müsse verstärkt werden, forderte Meidinger in der "Augsburger Allgemeinen" aus diesem Anlass. "Wir sind generell für eine Maskenpflicht, die mindestens die Qualität chirurgischer OP-Masken haben sollten", sagte er. "Modische Textilmasken oder Schals sind der jetzigen Situation nicht mehr angemessen", fügte er hinzu.

Die Bundesschülerkonferenz begrüßt die Öffnung der Schulen generell, sorgt sich aber um die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler - und forderte ebenfalls eine Pflicht zum Tragen medizinischer Masken. "Wir erleben das überall sonst im Alltag, warum nicht an den Schulen?", sagte der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Ebenfalls nötig seien "tägliche zertifizierte Selbsttests und Schnelltests für alle, die ein Schulgebäude betreten".

Auch die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, wenn die Politik wieder "vollen Präsenzunterricht" wolle, müsse sie "allen Lehrkräften vorab ein Impfangebot gemacht haben". Außerdem müssten klare Fahrpläne entwickelt werden - etwa darüber, wie lange der Wechselunterricht laufen solle.

Niedersachsen will sich gemeinsam mit anderen Bundesländern beim Bund für eine Änderung der Impfverordnung einsetzen, um mit nicht genutztem Corona-Impfstoff Lehrkräfte und Erzieherinnen früher als geplant impfen zu können. Das Land hat der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" zufolge derzeit zu viele Impfdosen auf Lager, weil viele Betroffene ihren Termin zur Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin nicht wahrnehmen.

Aus der Politik kam Zuspruch. FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sagte, es wäre "eine Schande, wenn Impfdosen ungenutzt liegen gelassen würden". Erzieherinnen und Lehrer, aber auch Polizeibeamte müssten einer "höheren Impfpriorität zugeordnet werden". SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnete den Vorschlag aus Niedersachsen als "richtig". Der Impfstoff "liegt umher", das sei "absurd", twitterte er.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte hingegen Überlegungen, Lehrkräfte noch höher zu priorisieren. Deren Infektionsrisiko sei in der Impfverordnung schon berücksichtigt worden. "Wenn jetzt Berufsgruppen noch weiter nach vorn gesetzt werden sollen, wird das Leben kosten." Denn Ältere und Schwerkranke müssten dann noch länger auf ihre Impfungen warten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte unterdessen die Bundesländer, die ungeachtet der Ausbreitung mutierter Coronaviren ihre Schulen wieder öffnen. Diese gingen "ein hohes Risiko ? für die Gesundheit der Lehrkräfte, der Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern" ein, sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe den Funke Zeitungen.

Gesundheitsminister Spahn sagte bei einem Bürgerdialog, weil es gesellschaftlich wichtig sei, dass in Kitas und Grundschulen der Betrieb wieder aufgenommen werden kann, sollten die Kita-Mitarbeiter und Grundschullehrer bei der Priorisierung vorgezogen werden. Erzieherinnen und Grundschullehrer, die bislang der Priorisierungsgruppe drei angehören, sollen nun in die zweite Gruppe höher gestuft werden. Bei den Impfungen will er auch Hausärzte mit einbeziehen.

© 2021 AFP