DJV betrachtet Erdogans Empörung über Satire als "lächerlich"

Verbandschef Überall gratuliert "extra 3" zu Spottlied

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die Reaktion des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf einen Satirebeitrag im NDR als "lächerlich" kritisiert.

Berlin - Mit der Einbestellung des deutschen Botschafters in Ankara habe Erdogan sich "zum Gespött der sozialen Netzwerke gemacht", erklärte am Dienstag der DJV-Vorsitzende Frank Überall. Wenn die Türkei wegen einer Satire "unnötige diplomatische Verwicklungen" auslöse, dann hätten die Macher der NDR-Sendung "extra 3" "ins Schwarze getroffen".

Überall beglückwünschte die Autoren der Sendung für das knapp zweiminütige Spottlied mit dem Titel "Erdowi, Erdowo, Erdogan", das Erdogan ein gestörtes Verhältnis zur Pressefreiheit in seinem Land vorwirft. Erdogans scharfe Reaktion auf den Beitrag zeige, dass dieser "offenbar die Bodenhaftung verloren" habe, erklärte der DJV-Chef.

Zugleich betonte Überall, bei allem "berechtigten Gelächter" über Erdogans Reaktion dürfe nicht übersehen werden, dass "die Verfolgung kritischer Journalisten in der Türkei bittere Realität" sei. Er hoffe, Botschafter Martin Erdmann habe den türkischen Präsidenten auf die Bedeutung des Grundrechts Pressefreiheit hingewiesen.

Die außenpolitische Sprecherin der Linke-Bundestagsfraktion, Sevim Dagdelen, forderte das Auswärtige Amt auf, zum Thema Pressefreiheit in der Türkei klar Stellung zu beziehen. "Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung sich zur Einbestellung des deutschen Botschafters in der Türkei weiter ausschweigt", erklärte die Politikerin. In Deutschland geltende Grundrechte dürften "nicht auf dem Altar des schäbigen EU-Türkei-Deals geopfert" werden, forderte Dagdelen.

(xity, AFP)