16.07.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Die Nacht zum 1. Juli wird einen Wimpernschlag länger

Die Nacht zum 1. Juli wird einen Wimpernschlag länger

Zusätzliche Schaltsekunde ist aber umstritten

Die Nacht zum 1. Juli ist in diesem Jahr eine Sekunde länger als alle anderen Nächte des Jahres.

Berlin - Von Dienstag auf Mittwoch wird wieder eine Schaltsekunde in die Weltzeit und unsere Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) eingefügt. Dies geschieht zwar schon zum 26. Mal seit dem 1. Januar 1972, und die damals vereinbarte Einführung von Schaltsekunden kann Trägern von Armbanduhren auch völlig egal sein. Dennoch wird darüber gestritten, ob man die "Sekunde extra" nicht wieder abschaffen soll.

Eingefügt wird die Schaltsekunde, weil die Erddrehung den präzisen Atomuhren hinterher hinkt. Allerdings kann die zusätzliche Sekunde bei der Synchronisation vom Computern problematisch sein. Laut Physikalisch-Technischer Bundesanstalt ist dokumentiert, dass die Einfügung der "Zusatzzeit" in Computer-Betriebssystemen und speziell bei der Erzeugung von eindeutigen Zeitstempeln bereits Schwierigkeiten verursacht hat.

Ebenso ist es demnach möglich, dass die weltweite Schaltsekunde Probleme bei Energieversorgern und Telekommunikationsunternehmen hervorruft, die auf sekundengenaue Abrechnung angewiesen sind. Kritiker wollen daher seit Jahren die Schaltsekunde wieder streichen. Eine Entscheidung soll im November bei einer Konferenz der Internationalen Telekommunikationsunion fallen.

Ursache für die allmählich sinkende Umdrehungsgeschwindigkeit unseres Planeten sind die Anziehungskräfte zwischen Erde, Mond und Sonne, die Ebbe und Flut hervorrufen. Die ständige Reibung zwischen Wasser und Land raubt der Erde über die Jahrmillionen hinweg Energie, mit der sie sich um ihre eigene Achse dreht. Außerdem eiert die Erde, ihre Rotationsperiode ist veränderlich. Wird aber die Erde langsamer, dehnen sich die Tage, was sich langfristig bei der Erdzeit bemerkbar macht.

Anders ist dies bei Atomuhren: Sie "ticken" gleichmäßiger als sich die Erde dreht. So entspricht eine Sekunde der Dauer von 9.192.631.770 Schwingungen eines Mikrowellensignals, das Cäsiumatome in einer Atomuhr anregt. Diese Schwingungszahl als Dauer einer Sekunde wurde 1967 festgelegt - was freilich nichts an der unregelmäßigen Erddrehung änderte: Als 1972 die Schaltsekunde eingeführt wurde, hinkte die aus der Erddrehung abgeleitete Weltzeit der Atomzeit aus den Cäsium-Uhren bereits um zehn Sekunden hinterher.

In einer Einrichtung in Paris, die den wenig poetischen Namen Internationaler Erd-Rotations-Service (IERS) trägt, wird nun die Atomzeit ständig mit der Erdzeit verglichen und notfalls korrigiert - indem das Einfügen einer Schaltsekunde angeordnet wird. Zuletzt war dies vor genau drei Jahren der Fall: Auch die Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 2012 war eine Sekunde länger.

In der Nacht zum nächsten Mittwoch ist nun es wieder soweit: Auf IERS-Anordnung wird die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig die zusätzliche Sekunde in die von ihr verbreiteten Zeitsignale einbauen, und zwar am frühen Mittwochmorgen um 01.59.59 MESZ. Bei Funkuhren wird die "neue Zeit" dann automatisch ankommen, ihre Besitzer brauchen sich um nichts zu kümmern.

(xity, AFP)


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