Diakonie fordert Gesundheitskarte für Flüchtlinge

Teilweise monatelanges Warten auf Erstuntersuchung

Vor den Beratungen der Ministerpräsidenten am Donnerstag in Berlin über die Flüchtlingspolitik hat der evangelische Sozialverband Diakonie gefordert, Asylbewerber flächendeckend mit Gesundheitskarten auszustatten.

Berlin - Erforderlich seien neben einem Konzept für die Unterbringung und die sozialpädagogische Begleitung der Flüchtlinge auch der Zugang zu den medizinisch notwendigen Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, erklärte Diakonie-Präsident Ulrich Lille in Berlin. Das derzeitige System, bei dem sich Flüchtlinge erst beim Sozialamt einen Krankenschein besorgen müssen, diene eher der Abschreckung.

"Zurzeit warten Asylsuchende teilweise mehrere Monate auf ihre medizinische Eingangsuntersuchung", kritisierte Lille weiter. Dies vergrößere die Gefahr der Ausbreitung von Infektionskrankheiten: "Kein Wunder, dass Masern und Windpocken dann ein leichtes Spiel haben." Durch eine verantwortungsbewusste medizinische Versorgung von Anfang an müsse die Ansteckungsgefahr in Gemeinschaftsunterkünften verhindert werden.

Gesundheitskarten für Flüchtlinge werden seit längerem von Sozial- und Flüchtlingsverbänden gefordert. Einige Bundesländer testen derzeit das sogenannte "Bremer Modell", nach dem Flüchtlinge Gesundheitskarten erhalten und die Krankenkassen - in erster Linie die AOK - dafür eine pauschale Vergütung vom Staat erhalten. Dieser spart dafür wiederum Verwaltungskosten. Die angebotenen Behandlungen sind allerdings in der Regel auf akute Erkrankungen beschränkt. Daher gibt es auch Forderungen, Flüchtlinge als regulär Versicherte in die gesetzlichen Kassen aufzunehmen.

(xity, AFP)