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DGB-Studie: Bildungspolitik hinkt Zielen hinterher

Quote der Schulabbrecher zu hoch

Eine Bestandsaufnahme des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) stellt der Bildungspolitik in der Bundesrepublik in wichtigen Teilbereichen schlechte Noten aus.

Berlin - Bei der Senkung der Quote junger Leute ohne Schulabschluss oder abgeschlossene Berufsausbildung seien selbstgesetzte Ziele weiterhin nicht erreicht, heißt es in der in Berlin vorgestellten Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm. Zwar falle die Bilanz in anderen Bereichen positiver aus, insgesamt aber zeichne sich das deutsche Bildungspolitik nach wie vor durch eine "soziale Schieflage" aus und sei zudem "unterfinanziert".

Die DGB-Untersuchung analysiert, inwieweit mehrere vor gut fünf Jahren auf einem Bildungsgipfel von Bund und Ländern verkündeten Ziele voraussichtlich erreicht werden. Damals war eine Reihe von Referenzwerten vereinbart worden, die bis 2015 verwirklicht werden sollen, um das Bildungsssystem besser zu machen. Zu den Zielen zählt beispielsweise, die Quote junger Menschen ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung zu halbieren, die Kindertagesbetreuung für unter Dreijährige auszubauen und die Quote der Studienanfänger pro Jahrgang zu erhöhen.

Der DGB forderte einen "neuen Bildungsgipfel", um die im Bericht angesprochenen Defizite zu lösen. "Bund, Länder und Kommunen müssen zusammen mit den Sozialpartnern eine 'gemeinsame Bildungsstrategie' entwickeln. Ansonsten droht unsere Gesellschaft ihre Zukunftsfähigkeit zu verlieren", erklärte die Vize-Vorsitzende Elke Hannack.

Die Quote der Schulabgänger ohne Abschluss sank der Analyse zufolge bis 2013 zwar von acht auf 5,7 Prozent, blieb damit aber klar von der angestrebten Halbierung auf vier Prozent entfernt. Ein Maßnahmenbündel, das in den verbleibenden Monaten zum Erfolg führe, sei "nicht absehbar", heißt es in der Untersuchung. Auch bei der Reduzierung der Zahl junger Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sei eine Halbierung der Quote "nicht in Sicht". Sie lag 2013 bei 13,8 Prozent und damit weitab des Ziels von 8,5 Prozent.

Wenig optimistisch zeigt sich Klemm in seiner Studie zugleich mit Blick auf die Bildungsausgaben. Nach dem Willen von Bund und Ländern sollen diese bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. 2012 lagen sie seinen Angaben nach bei neun Prozent, wobei sie im Vorjahresvergleich zudem wieder leicht sanken.

Fortschritte sieht der Bericht für den DGB beim Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige. Außerdem seien die auf dem Bildungsgipfel 2008 formulierten Zielquoten für den Anteil der Studienanfänger je Jahrgang und der Weiterbildungsbeteiligung unter Berufstätigen bereits weit übertroffen beziehungsweise nahezu erreicht worden, resümiert Klemm. Dabei zeige sich aber zugleich eine soziale Unwucht. So kämen ausgerechnet Arbeitslose, Migranten sowie Menschen ohne Berufsausbildung bei der Weiterbildung kaum zum Zug, unter den Studenten bleibe der Anteil aus Arbeiterfamilien mit 27 Prozent zu gering.

"Diese Entwicklung macht deutlich: Im deutschen Bildungssystem wird das Auseinanderklaffen zwischen der Lage von Begünstigten und der von Benachteiligten weiter verfestigt und immer wieder reproduziert", bilanziert Klemm. Darüber hinaus fehlten insgesamt die ökonomischen Ressourcen für den weiteren Ausbau des Bildungssystems.

(xity, AFP)


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