16.12.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Deutschland hinkt bei Digitalisierung im Gesundheitswesen hinterher

Deutschland hinkt bei Digitalisierung im Gesundheitswesen hinterher

Bundesrepublik im Ländervergleich an vorletzter Stelle

Ob elektronische Patientenakten, Telemedizin oder Gesundheits-Apps: Deutschland hinkt bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen laut einer Bertelsmann-Studie hinterher.

Berlin - Der digitale Fortschritt kommt nicht ausreichend bei den Patienten an, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt. In einer internationalen Vergleichsstudie von 17 Ländern schneidet Deutschland schlecht ab und landet nur auf Rang 16.

Untersucht wurde, wie aktiv die Gesundheitspolitik jeweils bei der Digitalisierung handelt, welche technischen Voraussetzungen geschaffen wurden und inwieweit neue Technologien tatsächlich genutzt werden. Auf den ersten Rängen des Ländervergleichs landen demnach Estland, Kanada, Dänemark, Israel und Spanien. In diesen Ländern sind digitale Technologien bereits Alltag in Praxen und Kliniken.

So werden Rezepte digital übermittelt und wichtige Gesundheitsdaten der Patienten in elektronischen Akten gespeichert. Ärzte und Kliniken können direkt darauf zugreifen. In Estland und Dänemark können alle Bürger ihre Untersuchungsergebnisse, Medikationspläne oder Impfdaten online einsehen und Zugriffsmöglichkeiten für Ärzte und andere Gesundheitsberufe selbst verwalten. In Israel und Kanada sind Ferndiagnosen und Fernbehandlungen per Video selbstverständlich.

"Während Deutschland noch Informationen auf Papier austauscht und an den Grundlagen der digitalen Vernetzung arbeitet, gehen andere Länder schon die nächsten Schritte", erklärte Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

In 15 der 17 analysierten Länder - das sind alle außer Deutschland und Spanien - gibt es der Analyse zufolge Agenturen für digitale Gesundheit, die zum Beispiel für die Definition von technischen Standards für die elektronische Patientenakte verantwortlich sind.

Zwar habe Deutschland die ersten Schritte in Richtung Digitalisierung früh gemacht, heißt es in der Studie weiter. Bereits 2003 habe die Bundesregierung die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte beschlossen. Außerdem gebe es seit vielen Jahren erfolgreiche Pilotprojekte auf regionaler Ebene, wie die Notfallversorgung von Schlaganfallpatienten oder das Telemonitoring von Menschen mit Herzerkrankungen. Doch sie seien nicht bundesweit und nicht für alle Patienten nutzbar.

Im Alltag der medizinischen Versorgung sei "bislang wenig angekommen". "Die Politik hat in der Vergangenheit die Verantwortung für die digitale Transformation an die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen delegiert", erklärte Studienleiter Thomas Kostera. "Hier haben sich die Akteure lange Zeit gegenseitig blockiert." Nötig sei eine effektive Strategie, politische Führung und eine politisch verankerte Institution zur Koordination des Digitalisierungsprozesses.

(xity, AFP)


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