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Deutsches Textilmuseum stellt Neuerwerb vor

200 Jahre altes gesticktes Bild mit Chenillegarn

Das Deutsche Textilmuseum in Krefeld hat ein über 200 Jahre altes gesticktes Bild mit Chenillegarn erwerben können. Der Ankauf wurde durch den Verein Freunde der Museen Burg Linn ermöglicht.

Krefeld - Das Bild aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt aus England und zeigt eine "Pastorale Szene“, eine idyllische Landschaft mit einem Hirten, Schafen und einem Esel sowie einer Frau mit vier Kindern, die Getreide ernten. Das frühromantische Motiv auf Seidenstoff (63 mal 53 Zentimeter) ist teils gestickt (beispielsweise der Baum), teils in Gouache-Technik gemalt wie die Gesichter. "Es ist eine Seltenheit. Der erste Augenschein war schon, Wow!’“, betont Dr. Isa Fleischmann-Heck, stellvertretende Leiterin des Textilmuseums. Eine derartige Nadelmalerei mit einer szenischen Darstellung fehlte bislang im Museumsbestand und ergänzt nun die Sammlung von Stickereien vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Ausgehend von England waren Stickereinen mit Chenillegarn in Adels- und Großbürgerhäusern von der zweiten Hälfte des 18. bis ins 19. Jahrhundert sehr beliebt. Der Begriff "Chenille“ bezieht sich auf die samt- und reliefartige Oberfläche, welche durch das Chenillegarn entsteht, wie auch bei diesem Bild. Ebenbürtig zu Gemälden wurden solche Werke als Raumdekoration geschätzt. "Es handelt sich hier um eine sehr, sehr feine Arbeit“, sagt Fleischmann-Heck. Der Rand des nun erworbenen Landschaftsbilds muss längere Zeit durch einen Rahmen vor Licht geschützt worden sein. Denn auf einem schmalen Streifen ist die intensive Farbigkeit des Garns noch zu erblicken. In dem gemalten Bereich lassen sich zudem noch die Vorzeichnungen erahnen. Obwohl sich das Bild in einem guten Zustand befindet und es nur wenige Fehlstellen ausweist, muss es in den kommenden Monaten restauriert werden. "Dafür haben wir aber die Kapazitäten hier im Haus“, so Museumsleiterin Dr. Annette Schieck.

Durch die nun anstehende wissenschaftliche Einordnung und technische Analyse erhoffen sich Fleischmann-Heck und Schieck weitere Erkenntnisse. "Die Motivvorbilder sind hier sicherlich in der englischen Malerei zu suchen“, so Fleischmann-Heck. Wer jedoch dieses Kunstwerk geschaffen hat, sei nicht bekannt. Vergleichbare Arbeiten fertigten vor gut 200 Jahren englische Profi-Stickerinnen an. Deren Bilder wurden damals sogar ausgestellt.

Das Deutsche Textilmuseum Krefeld, Andreasmarkt 8, gehört zu den international wichtigsten Sammlungen mit historisch kostbaren Textilien und Bekleidung. Die Sammlung umfasst heute fast 30 000 Objekten aus allen Teilen der Welt von der Antike bis zur Gegenwart, die allerdings nicht der Öffentlichkeit zugänglich ist. Das Museum ist nur für Sonderausstellungen geöffnet. Zurzeit wird dort die Ausstellung "Häkelkosmos – Vom Korallenriff zum schwarzen Loch“ gezeigt (bis 14. Dezember 2014). Weitere Informationen stehen im Internet unter www.krefeld.de/textilmuseum.


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