28.02.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Deutscher Mindestlohn im EU-Standard weiter eher niedrig

Deutscher Mindestlohn im EU-Standard weiter eher niedrig

In vier EU-Ländern werden mehr als zehn Euro pro Stunde gezahlt

Die Hans-Böckler-Stiftung kritisiert den Mindestlohn in Deutschland im EU-Vergleich als zu niedrig.

Berlin - Das ist das Ergebnis einer von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung vorgelegten Studie. Demnach beträgt der Mindestlohn in 21 betroffenen EU-Staaten sowie Großbritannien durchschnittlich rund die Hälfte des mittleren Lohns, in Deutschland waren es nur 46 Prozent. Die Linke forderte eine Anhebung es Mindestlohns auf mindestens zwölf Euro.

Die 46 Prozent stellen einen kontinuierlichen Rückgang seit der Einführung des Mindestlohns 2015 dar, kritisierte die Stiftung mit Blick auf das deutsche Lohnniveau. Auch in diesem Jahr sei der deutsche Mindestlohn mit 9,35 Euro pro Stunde "weiterhin spürbar niedriger als die Lohnuntergrenzen in den westeuropäischen Euro-Staaten". In Luxemburg (12,38 Euro), Frankreich (10,15 Euro), den Niederlanden (10,14 Euro) und Irland (10,10 Euro) liegen diese demnach über zehn Euro.

Die Zahlen gehen auf das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Böckler-Stiftung zurück. Deutschland teilt sich demnach hinter Belgien (9,66 Euro) mit Großbritannien Platz sechs der WSI-Rangliste, wobei auf der Insel den Angaben zufolge eine baldige Erhöhung ansteht.

Allerdings: Legt man die Kaufkraft der Mindestlöhne zugrunde, liegt Deutschland EU-weit auf dem vierten Platz. Im Hinblick auf die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten "reduziert sich der Abstand zwischen den EU-Ländern mit niedriger und relativ hoher Untergrenze spürbar", erklärten die Forscher.

Den mit Abstand niedrigsten EU-Mindestlohn hat laut WSI Bulgarien mit 1,87 Euro. In Österreich, Italien sowie nordeuropäischen Ländern gelte überhaupt kein Mindestlohn, dort setzten aber in der Regel Tarifverträge eine hohe Untergrenze. "Entscheidend für eine angemessene Lohnentwicklung ist es, das Tarifsystem zu stärken - auch in Deutschland", forderte denn auch die Böckler-Stiftung.

Die Union solle ihre "Blockadehaltung" aufgeben und anerkennen, "dass der derzeitige Mindestlohn ein Mangellohn ist und die Löhne in ganz Europa drückt", erklärte die Vizechefin der Linkenfraktion, Susanne Ferschl. "Eine Erhöhung auf mindestens zwölf Euro ist längst überfällig und muss bei der diesjährigen Evaluation umgesetzt werden."

Die Bundesregierung müsse "ihre Politik des Lohndumpings beenden und damit aufhören, der deutschen Wirtschaft Wettbewerbsvorteile durch Niedriglöhne zu verschaffen". Der Wettbewerb zwischen Unternehmen und Staaten solle über die Produkte ausgetragen werden und nicht über Löhne, Arbeits- und Sozialstandards.

(xity, AFP)


Copyright 2019 © Xity Online GmbH