11.12.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Deutsche Schüler schneiden bei Pisa-Studie schlechter als zuletzt ab

Deutsche Schüler schneiden bei Pisa-Studie schlechter als zuletzt ab

Insgesamt aber weiter über OECD-Durchschnitt

Die deutschen Schüler haben bei der neuen Pisa-Studie der OECD in den untersuchten Kompetenzfeldern Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften schlechter abgeschnitten als zuletzt.

Berlin - Zwar lagen die getesteten Mittelstufenschüler aus Deutschland nach den am Dienstag vorgestellten Ergebnissen über dem Durchschnitt der Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie büßten aber überall im Vergleich zum Pisa-Test 2015 Punkte ein.

Die Leseleistungen der deutschen Schüler sanken nach Verbesserungen in den vorherigen Pisa-Tests wieder auf das Niveau von 2009. Statistisch sei der Rückgang aber nicht belastbar. In den Naturwissenschaften ging die mittlere Punktzahl sogar auf den niedrigsten seit 2006 gemessenen Wert zurück, in Mathematik lagen die Ergebnisse deutlich unter dem Pisa-Test von 2012. Der Pisa-Test wird alle drei Jahre erstellt.

Wie die Studienmacher feststellten, hängt der Schulerfolg in Deutschland weiter stärker von der sozialen Herkunft ab als im Durchschnitt der OECD-Länder. So stellten die Experten der OECD im Bereich der Lesekompetenz deutscher Schüler ein erhebliches Auseinanderdriften der Leistungen unterschieden nach sozialen Schichten fest.

Die Schüler aus dem oberen sozioökonomischen Viertel der Gesellschaft haben demnach einen Leistungsvorsprung von 113 Punkten auf die Schüler aus dem sozioökonomisch untersten Viertel. Im Durchschnitt der OECD-Staaten beträgt dieser gesellschaftliche Unterschied nur 89 Punkte.

Die OECD befragte im vergangenen Jahr etwa 600.000 Schüler im Alter von etwa 15 Jahren in 79 Ländern und Volkswirtschaften. In allen Bereichen schnitten am besten Schüler aus vier im Test berücksichtigten chinesischen Provinzen ab, gefolgt von Singapur. Als bester europäischer Staat steht Estland mit seinen Schülern auf Platz fünf.

Von den europäischen Staaten schnitten neben den Schülern aus Estland auch jene aus Finnland, Irland und Polen in allen drei Bereichen besser ab als die deutschen Schüler. Diese landeten insgesamt auf Rang 20 der 77 Länder und Volkswirtschaften.

Ein Grund für das Abrutschen der Leistungen der Gesamtgruppe deutscher Schüler liegt laut den Machern der OECD-Studie in der erhöhten Zuwanderung. Dies erkläre das Absinken der Leistungen aber nur zum Teil. Der Anteil von Schülern, von denen beide Eltern im Ausland geboren wurden, kletterte demnach zwischen 2009 und 2018 von 18 auf 22 Prozent. Die Leseleistungen dieser Kinder liegt um 63 Punkte unter jener von Kindern mit mindestens einem deutschen Elternteil.

Laut OECD verloren die deutschen Schüler bei den Leseleistungen allerdings insgesamt elf Punkte, von denen sich nur fünf Punkte durch diese demografische Veränderung erklären lassen. Der schon seit 2012 in Mathematik und Naturwissenschaften zu beobachtende umfassende negative Trend lasse sich zudem nur zu einem geringen Teil mit dieser Veränderung der Bevölkerung erklären.

Nach dem Pisa-Test gibt es in Deutschland auch strukturelle Nachteile gegenüber anderen Wirtschaftsnationen. So berichteten Schulleiter über größere Personal- und Ausstattungsmängel als im OECD-Durchschnitt. Besonders Schulen in sogenannten Problemvierteln sind davon betroffen - dort gibt es eine schlechtere Ausstattung und weniger Personal als in wohlhabenden Gegenden.

So sind demnach 70 Prozent der Schüler an benachteiligten Schulen von Unterrichtsausfall durch Lehrermangel betroffen - in den wohlhabenden Gegenden sind dies nur 34 Prozent. Im OECD-Durchschnitt gibt es 34 Prozent Lehrermangel bei benachteiligten Schulen und 18 Prozent in wohlhabenden Gegenden.

(xity, AFP)


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