Deutsche Kurden protestieren gegen IS

Aktionen vor Rundfunksendern und Landtagen

Angesichts des dramatischen Kampfes ihrer Landsleute gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak haben Kurden in Deutschland bei Protestaktionen mehr Unterstützung eingefordert.

Berlin - In zahlreichen Städten versammelten sich am Montagabend und am Dienstag nach Polizeiangaben kurdische Gruppen zu Kundgebungen, darunter unter anderem vor türkischen Konsulaten, Landesparlamenten sowie Rundfunksendern.

In den Abendstunden und der Nacht zum Dienstag kamen angesichts der Zuspitzung der militärischen Lage in der von Kurden gegen IS-Angreifer verteidigten Stadt Kobane in Nordsyrien unter anderem in Berlin, Hamburg, Hannover, Kiel, Düsseldorf und Stuttgart teils mehrere hundert Menschen zu Spontandemonstrationen zusammen. In Bonn verschafften sich 50 kurdische Demonstranten am Montagabend Zutritt in das Gebäude der Deutschen Welle und übergaben dort eine Deklaration, wie der Sender mitteilte. Sie forderten humanitäre Hilfe für die vor den IS-Kämpfern geflohenen Frauen und Kinder. Die Demonstranten zogen anschließend friedlich wieder ab.

In Düsseldorf und Kiel drangen kurdische Aktivisten nach Polizeiangaben in die Eingangsräume von Studios der beiden Sender WDR und NDR ein, um Dossiers zu übergeben oder Gespräche mit Pressevertretern zu führen. Sie verließen die Gebäude anschließend ebenfalls friedlich. In Stuttgart zogen Demonstranten unter anderem am dortigen türkischen Konsulat vorbei.

Auch andernorts blieben die Proteste nahezu durchgehend friedlich. Nur in Hamburg berichtete die Polizei von Konfrontationen während einer Demonstration vor dem Rathaus, an der ihren Angaben zufolge bis zu 250 Personen teilnahmen, darunter auch einige Mitglieder der linksautonomen Szene. Wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz bereiteten die Beamten bereits die Räumung des Rathausmarkts vor, bevor die Demonstranten abzogen. Am Abend wurden im nahen Stadtteil St. Georg außerdem die Fenster eines türkischen Restaurants eingeworfen.

Am Dienstag versammelten sich erneut zumeist kleinere Protest-Gruppen. In Kiel und Bremen zogen sie vor die Landtage, in Bremen empfing Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) daraufhin eine Delegation kurdischer Vereine aus der Stadt. "Mit Ihrer friedlichen Aktion haben Sie viele Sympathien bei den Menschen in Bremen gewonnen. Die Menschen in den kurdischen Gebieten dürfen nicht allein gelassen werden", erklärte der Regierungschef. Die Kurden seien "ein Teil Bremens".

Kurdische Aktivisten forderten die Bundesregierung und deutsche Parlamentarier in einer Erklärung auf, neben den kurdischen Kämpfern im Nordirak auch die Kurden in Nordsyrien bei ihrem Kampf gegen den IS zu unterstützen. Ihrer Meinung nach verzichtet Deutschland bislang aus Rücksicht auf die Türkei darauf, den Kurden dort zu helfen. In Kobane drohe ein "Massaker", erklärten sie weiter. Für Samstag kündigten kurdische Gruppen eine Großdemonstration in Düsseldorf an.

Auch europaweit protestierten Kurden am Dienstag wegen der Lage in Kobane. In Brüssel drangen einige Dutzend Demonstranten in das Europaparlament ein und ließen sich zu einem Sit-in nieder. Parlamentspräsident Martin Schulz zeigte sich bereit, eine Delegation der Kurden zu empfangen. Auch einige Abgeordnete sprachen mit ihnen.

Bei einer Schlägerei zwischen Muslimen und Jesiden wurden unterdessen am Montagabend im niedersächsischen Celle sechs Menschen verletzt. Die beiden Gruppen aus insgesamt etwa 90 Menschen waren nach Angaben der Polizei mit Faustschlägen, Fußtritten und Schlägen aufeinander losgegangen. Die Polizei setzte mehr als 50 Beamte ein, um die Streithähne zu trennen. Zu dem Motiv des Streits äußerte sich die Polizei mit Verweis auf die Ermittlungen nicht. Die religiöse Minderheit der Jesiden wird vom IS im Irak brutal verfolgt.

(xity, AFP)