23.09.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Der November im Schauspielhaus Düsseldorf

Der November im Schauspielhaus Düsseldorf

Programmhighlights des Monats

Im November stehen auf der Bühne des Schauspielhauses Düsseldorf mehrere Premieren auf dem Spielplan.

Düsseldorf - Das Programm im Überblick:
Gift. Eine Ehegeschichte
Von Lot Vekemans
Samstag, 15. November, 19.30 Uhr, Kleines Haus
Auf einem Friedhof treffen sich ein Mann und eine Frau. Beide waren einst ein Paar. Auf diesem Friedhof liegt der gemeinsame Sohn beerdigt. Nun muss über seine Umbettung entschieden werden. Denn aus einer nahen Fabrik soll Gift ausgetreten sein und die Verlegung der Grabstätte notwendig machen. Die erneute Begegnung mit der Vergangenheit wird zu einer Bestandsaufnahme des vergangenen gemeinsamen Lebens und der Zeit der Trennung. Die Trauer um das gemeinsame Kind verbindet nicht, sondern vergrößert die Kluft zwischen beiden, ebenso wie das neue Leben, das »Er« lebt. Und doch finden sich in ihnen noch immer Erinnerungen an Zärtlichkeit, Leichtigkeit, an Gemeinsamkeiten. Die niederländische Autorin Lot Vekemans erzählt sensibel und eindrucksvoll von einem Mann, der seine Trauer überwinden möchte, und von einer Frau, der das nicht gelingt ...
Die Ratten
Von Gerhart Hauptmann
Samstag, 29. November, 19.30 Uhr, Großes Haus
Der Regisseur Hassenreuter inszeniert Schillers Braut von Messina; der Chor spricht: »Schön ist der Mutter / Liebliche Hoheit / Hoch auf des Lebens Gipfel gestellt / Schließt sie blühend den Kreis des Schönen ...« Hassenreuters Programm ist das von Schiller und Goethe: Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken! Der junge Schauspielschüler und angehende Regisseur Spitta – das Alter Ego Gerhart Hauptmanns – hat Einwände. Ihm liegt der »sonore Bombast, das Gestelzte, alles Rhetorische« nicht, und er fragt nach: Kann auf der Bühne nicht nur das Schöne schön sein, wenn es mit der Wirklichkeit zu tun hat? Was ist zum Beispiel mit den Müttern, ob die sich selber auch »auf Gipfeln« sehen? Spitta will mehr Authentizität und er will näher ran an die Gegenwart – so befragt und engagiert er die, um die es im Drama so oft geht, die Frauen und Mütter selbst: Es gibt in Deutschland heute 1,7 Millionen Alleinerziehende, und 92 Prozent von ihnen sind Frauen. Ein Drittel von ihnen ist arbeitslos, 50 Prozent der Väter zahlen keinen Unterhalt. Alleinerziehen birgt ein großes Armutsrisiko, heute offenbar wie schon Ende des 19. Jahrhunderts. Spitta möchte die oft genug ungehörten Stimmen dieser Mütter präsent machen, und so beginnt er selbst zu inszenieren. Er entwickelt ein Drama um die Putzfrau Jette John und die Migrantin und Leihmutter Piperkarcka, die ihr Baby zurückhaben will.
In unterschiedlichen theatralen Versuchsanordnungen versucht Spitta, mit Schauspielern und Laiendarstellern seinem Bild von »authentischer Schauspielkunst« näher zu kommen. Einfach ist das nicht: Das Repräsentieren von Gegenwart in der Kunst war schon immer kompliziert.
Zorn
Von Joanna Murray-Smith
Sonntag, 30. November, 18 Uhr, Kleines Haus
Die Ehe der Hirnforscherin Alice und des Romanschriftstellers und Universitätsdozenten Patrick könnte nicht besser laufen. Sie erhält als erste Frau einen der höchstdotierten Preise in der Naturwissenschaft, er veröffentlicht einen umfangreichen Roman nach dem anderen. In ihrer linksliberalen Intellektuellen- Beziehung ist alles, wie es sein soll. Und auch ihr sechzehnjähriger Sohn Joe ist ihnen gelungen. Sie haben ihn im Geist der Toleranz und des Mitgefühls erzogen – denken sie. Doch Joe hat mit einem Schulfreund eines Nachts eine Moschee besprüht. Patrick und Alice verstehen die Welt nicht mehr. Hasskriminalität kam in ihrer Welt bislang nicht vor, rechtsradikale Gedanken schon gar nicht. Was hat Joe zu der Tat veranlasst? Hat er das aus freien Stücken getan? Ist nicht sein Schulfreund Trevor der Anstifter? Und sind vielleicht dessen Eltern Bob und Annie mit ihren Ressentiment getränkten Ansichten verantwortlich zu machen für Joes Tat? Alice versucht, ihren Sohn zu verstehen, doch Joe sagt: »Du kannst mich nicht so hinbiegen, wie du
mich haben willst.« Hat sie versagt? Woher kommt sein Zorn? Für Alice selbst war Zorn immer der Antrieb, wie sie der ehrgeizigen Jungjournalistin Rebecca in den Block diktiert. Mit Leidenschaft hat sie es so weit gebracht, teilweise ohne Rücksicht auf ihre Familie. Allerdings glühte ihr Zorn vor dreißig Jahren noch heißer, damals war sie Mitglied der terroristischen Vereinigung »The Fury« (»Der Zorn«), weniger aus ideologischen als aus persönlichen Gründen. Und Rebecca ist Teil dieser Geschichte ...
Die australische Autorin Joanna Murray-Smith, in ihrer Heimat eine der bedeutendsten Dramatikerinnen, stellt Fragen, die auch uns in Deutschland angehen: Wo hört die Toleranz auf? Was hat die Vergangenheit der Eltern mit den Taten der Kinder zu tun? Das Düsseldorfer Schauspielhaus ist eines der ersten Theater, das Zorn in Deutschland spielt.
Autorenlesung
Dienstag, 18. November, 19.30 Uhr, Kleines Haus
Eintritt 12 Euro (10 Euro ermäßigt)
Das berühmte Bild einer Frau, lange verschollen, taucht plötzlich wieder auf. Überraschend für die Kunstwelt, aber auch für die drei Männer, die diese Frau einst liebten – und sich von ihr betrogen fühlen. In einer Bucht an der australischen Küste kommt es zu einem Wiedersehen ...
Bernhard Schlink, Jahrgang 1944, ist Jurist und lebt in Berlin und New York. Der 1995 erschienene und vielfach preisgekrönte Roman Der Vorleser, 2009 mit Kate Winslet und Ralph Fiennes verfilmt, begründete seinen schriftstellerischen Weltruhm.
Watten
Von Thomas Bernhard
Sonntag, 23. November, 18 Uhr, Kleines Haus
Seit Jahren treffen sich vier Männer regelmäßig bei einem Gastwirt zum Kartenspiel, zum sogenannten Watten: der Fuhrmann, der Papiermacher Siller, der Lehrer und der Doktor. Das Leben ist überschaubar, die Welt eingerichtet und geregelt, der Weg immer gleich: Baracke – faule Fichte – Schottergrube – faule Fichte –Baracke. Doch heute wartet der Gastwirt vergebens auf seine Mitspieler. "Ich watte nicht mehr“, sagt der Doktor. Was ist geschehen?

Tags:
  • Schauspielhaus
  • düsseldorf
  • programm
  • november

Copyright 2019 © Xity Online GmbH