12.12.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Dauerausstellung in der NS-Dokumentationsstelle

Dauerausstellung in der NS-Dokumentationsstelle

Gestapo-Akten für die Präsentation

In der Krefelder NS-Dokumentationsstelle wurde eine neue Dauerausstellung vorgestellt. Mitarbeiter des Stadtarchivs sowie eine Honorarkraft haben in den vergangenen zwei Jahren mit einem neuen Konzept die Präsentation überarbeitet.

Krefeld - Dafür standen rund 50 000 Euro an Landesmitteln zur Verfügung. Das Haus an der Friedrich-Ebert-Straße 42 ließ der jüdische Seidenhändler Richard Merländer in den Jahren 1924/25 bauen. Er wurde in den 1940er-Jahren in einem Konzentrationslager ermordet. Durch Möbel und andere Einrichtungsgegenstände soll der Privatraum der Villa Merländer wieder angedeutet werden. "In den Schubladen der neuen Schränke haben wir die Möglichkeit, Exponate lichtgeschützt zu zeigen“, so Dr. Ingrid Schupetta, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle. Kopien von historischen Dokumenten und Fotografien sind zudem wie Bilder gerahmt. Sie hängen vor Tapetennachdrucken aus den 1920er- und 1930er-Jahren und sollen so den Wohncharakter unterstreichen.

Die Dokumente und Fotos befinden sich auf thematisch angelegten Tafeln in den Räumen des Erdgeschosses. "Die Ausstellung im Fluss“, betont Schupetta. In den folgenden Jahren soll diese ergänzt und erweitert werden. Dazu sind auch die Besucher aufgerufen, die mit "Gelben Karten“ ihre Kritik und Wünsche äußern sollen. Die Themenschwerpunkte liegen bei der sogenannten "Machtergreifung“ im Jahr 1933, dem Alltag im Nationalsozialismus, der Judenverfolgung und dem Krieg in Krefeld. Schupetta hat zusammen mit dem Archivmitarbeiter Burkhard Ostrowski und Dr. Claudia Flümann, Mitarbeiterin bei der Umgestaltung der Dauerausstellung, immer wieder Opfer, aber nun auch verstärkt die Täter in den Fokus der Dokumentation gestellt.

Erstmalig wurde der Aktenbestand der Gestapo-Außenstelle Krefeld für die Präsentation herangezogen. Der seit Jahren bekannte Bestand im Hauptstaatsarchiv Duisburg (früher Düsseldorf) umfasst rund 70 000 Akten. "Es sind gut 70 Prozent der für Düsseldorf und Krefeld relevanten Gestapo-Akten erhalten geblieben“, so Dr. Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs Krefeld. Das sei bundesweit ein Sonderfall. Der Bestand wurde während des Krieges auf die rechte Rheinseite ausgelagert und konnte dort nicht mehr vollständig vernichtet werden. Flümann hat nun exemplarisch 81 Fälle auf Karteikarten für die Ausstellung zusammengefasst. Oftmals handelte es sich um Denunziationsopfer. Von den so dokumentierten Fällen kamen 34 Menschen nach der Verhaftung ums Leben. "Dass sie ermodert werden können, war den Denunzianten bewusst“, so Flümann. In der Krefelder Gestapo-Außenstelle arbeiteten niemals mehr als 20 Personen inklusive Sekretärinnen. "Die Gestapo konnte nicht überall sein und war deswegen auf Denunzianten angewiesen“, so Flümann. Die neuen Karteikarten beinhalten eine kurze Opferbiografie, ein Foto und ein Original-Dokument.

Die neue Dauerausstellung endet mit einer besonderen Tafel: Dort erinnert die Dokumentationsstelle an die Krefelderin Anna Tervoort, einer Gerechten unter den Völkern, die in der Gedenkstätte Yad Vashem für ihre Hilfe gewürdigt wurde. Denn Anna Tervoort nahm eine jüdische Frau bei sich auf und versteckte sie bis zum Kriegsende bei sich. Aus Krefeld seien zwar noch andere Rettungstaten bekannt, Anna Tervoort sei aber die einzige, die in Yad Vashem geehrt wurde, so Ostrowski. Die Öffnungszeiten der neuen Dauerausstellung in der Villa Merländer stehen im Internet unter www.krefeld.de in der Rubrik "Kultur und Bildung“ und dann NS-Dokumentationsstelle.


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