"Das verlorene Volk"

Neue Ausstellung im Museum Burg Linn

Im Museum Burg Linn wird am Sonntag, 19. Oktober 2014, die Ausstellung "Das verlorene Volk. Gestalten aus Dantes Inferno" der Krefelder Künstlerin Edith Wimmer eröffnet.

Krefeld - Dante Alighieri (1265 bis 1321) schildert in der "Göttlichen Komödie“ (Divina Commedia) seine visionäre Wanderung durch die Jenseitsreiche "Inferno“ (Hölle), "Purgatorio“ (Läuterungsberg) und "Paradiso“ (Paradies). Wimmer hat Dantes Weg durch die Hölle illustriert. Im Unteren Rittersaal und im ersten Geschoss der Burg präsentiert die Künstlerin 40 Werke: Zeichnungen, Aquarelle, aber auch Bilder, die sie mit einer Abklatschtechnik, Salz oder Klebstoff bearbeitet hat. "Ich will das darstellen, was man nicht sieht. Ich will den Text nicht abmalen, sondern interpretieren“, so Wimmer.

Begleitet von dem römischen Dichter Vergil erkundet Dante die Hölle. Dabei begegnen ihnen grauenhafte und Furcht einflössende Gestalten, wilde Tiere, Schmerzen, Qualen und letztlich Luzifer selbst. In den Bildern von Wimmer tauchen die beiden Wanderer immer wieder als Beobachter auf, meist im Hintergrund, ohne eindeutige Details oder Gesichtszüge wie bei "Inferno XIII. Die von Hunden gejagten Verschwender im Selbstmörderwald“ (Gouache, Aquarelle / 2014). Dort sehen Dante und Vergil eine grausame Szene: Von schwarzen Hunden gejagt, rasen zwei Seelen bis sie in den Sträuchern der Selbstmörder zerrissen werden.

Wenn sie einem Bild beginnt, sei es in ihrem Kopf noch verschwommen. Erst während der Arbeit werde es immer deutlicher, so Wimmer. Dabei haben die Bilder immer einen Bezug zur Wirklichkeit. Ohne die Realität könne sie nicht malen. Bei allem Schrecken und Abstoßenden des Dargestellten wohnt Wimmers Werken eine anziehende Ästhetik inne, trotz der Sünde, der Zerstörung, des Bösen. Die Burg Linn bildet einen stimmungsvollen Rahmen für diesen beeindruckenden Bilderzyklus. Es ist eine Einladung, sich mit Dante Alighieri erneuert oder zum ersten Mal auseinanderzusetzen.

Dr. Edith Wimmer, Jahrgang 1963, wurde Mitte der 1980er-Jahre an der Kunstakademie Düsseldorf aufgenommen. Von dort wechselte sie an die Heinrich-Heine-Universität, an der sie 1999 mit dem Thema "Die Reise in das Land ohne Wiederkehr: Das Motiv der Hadesfahrt im klassischen Epos und der modernen englischen und amerikanischen Abenteuererzählung“ promovierte. Im Rahmen der Tagung der Deutschen Dante-Gesellschaft zeigte die 51-jährige Literaturwissenschaftlerin bereits 2010 einige ihrer Werke in Krefeld. "Ich sehe mich aber nicht als Wissenschaftlerin, sondern als Künstlerin, die viel liest“, sagt Wimmer.

Die Künstlerin steht für Fragen von Besuchern am Sonntag, 26. Oktober 2014, ab 11 Uhr für einige Stunden im Rittersaal zur Verfügung. Ein Begleitheft zur Ausstellung kostet zwei Euro. Die Burg Linn bleibt für Besucher ab Dienstag, 4. November 2014, voraussichtlich für zwei Wochen geschlossen. An der Brücke von der Vorburg zur Hauptburg werden die Belagbohlen erneuert. Die "Märchenstunde“, die an jeden zweiten Sonntag auf Burg Linn statt findet, fällt aus. In diesem Zeitraum kann auch die Ausstellung nicht besichtigt werden. Weitere Informationen über das Museum Burg Linn stehen unter www.krefeld.de/burglinn.


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