DAK-Report: Deutlich weniger Alkoholmissbrauch bei Schulkindern

Mehr Depressionen bei Jugendlichen - Anstieg von Adipositas bei Grundschülern

Im Corona-Jahr 2020 mussten einer Studie zufolge deutlich weniger Schulkinder wegen Alkoholmissbrauchs medizinisch behandelt werden.

Berlin - Im vergangenen Jahr mussten im Vergleich zum Vorjahr 28 Prozent weniger Kinder und Jugendliche wegen exzessiven Alkoholkonsums ins Krankenhaus oder in eine Arztpraxis, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit hervorgeht.

Auch bei Tabak, Cannabis und anderen Drogen gab es einen Rückgang. Insgesamt wurden 18 Prozent weniger Kinder und Jugendliche aufgrund von Suchtmittelmissbrauch behandelt. Die Daten belegen demnach einen Anstieg von Depressionserkrankungen bei älteren Jugendlichen sowie eine Zunahme von Adipositas vor allem bei unter Zehnjährigen.

"Wir müssen den Rückgang des Suchtmittelkonsums bei Jugendlichen vorsichtig interpretieren", erklärte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Dies könne mit dem Rückgang von Partys zusammenhängen, aber möglicherweise auch damit, dass Eltern in der Corona-Pandemie stark mit sich selbst beschäftigt waren und damit weniger Probleme bei den Kindern auffielen.

Für den Report untersuchten Gesundheitsökonomen von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 800.000 bei der DAK versicherten Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren.

Demnach stieg der Anteil der 15- bis 17-Jährigen, die 2020 neu an einer Depression erkrankten, um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mädchen sind hier im späten Jugendalter dreimal so häufig aufgrund von Depressionen in ärztlicher Behandlung wie gleichaltrige Jungen. In der Altersgruppe von fünf bis neun Jahren gingen Depressionen um knapp zwölf Prozent zurück.

Diese Altersgruppe verzeichnet aber deutlich mehr Adipositas-Erkrankungen. 2020 wurden rund 16 Prozent mehr Grundschulkinder erstmals wegen einer Adipositas, also einer Fettleibigkeit, ärztlich behandelt. Bei den älteren Teenagern blieb die Zahl im Vergleich zu 2019 konstant.

"Seit Pandemiebeginn haben psychische Störungen und Einweisungen in die Kinder- und Jugendpsychiatrie spürbar zugenommen", erklärte Fischbach. Daten des Reports bestätigten, dass nach dem ersten bundesweiten Lockdown im März und April 2020 Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Psychotherapeuten die einzige Ärztegruppe waren, die steigende Fallzahlen verzeichneten.

Bei der Adipositas "schlägt der Bewegungsmangel der Kinder und Jugendlichen stark zu Buche", erklärte Fischbach. Übermäßiges Essen könne "auch eine Ersatzbefriedigung darstellen, wenn die Eltern keine Zeit für ihre Kinder haben".

Sorge bereitet den Experten der Rückgang von HPV-Impfungen zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge. So erhielten 14 Prozent weniger Mädchen im vergangenen Jahr eine HPV-Impfung. Humane Papillomviren (HPV) werden sexuell übertragen und können Gebärmutterhalskrebs hervorrufen. Eine Impfung sollte idealerweise vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen.

(xity, AFP)