"Casa Rio - Wohnraum Südamerika"

Filmmuseum zeigt Reihe "Architektur und Film"

Titel der Reihe, die vom 2. bis 23. März 2016 in der Black Box/Kino des Filmmuseums läuft: "Casa Rio - Wohnraum Südamerika".

Düsseldorf - Die Großstädte Südamerikas sind architektonisch äußerst vielseitig. Bis heute prägen verschiedene Einflüsse ihr Gesicht: spanischer Kolonialstil, Barock, Neoklassik, Art Déco, ebenso wie wegweisende Bauten der Moderne des 20. Jahrhunderts. Der sprunghafte Anstieg der Bevölkerung in diesen Städten führte dazu, dass hier die Probleme heutiger Ballungsräume besonders stark zu spüren sind: Wohnungsnot, marode Mietskasernen, Kriminalität.

Der Mythos der "Casa Rio", dem Inbegriff des paradiesischen Heimes in südamerikanischen Gefilden, der sich einmal im Bewusstsein besonders der Europäer bildete, hat schon lange nichts mehr mit der Realität dortigen Großstadtlebens zu tun. Die 19. Ausgabe der Reihe "Architektur und Film", die das Düsseldorfer Filmmuseum in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer NRW präsentiert, zeigt an vier ausgewählten Beispielen Aspekte des Wohnens vor den architektonischen Kulissen lateinamerikanischer Großstädte.

Das Programm

"Havanna - die neue Kunst Ruinen zu bauen": Der Dokumentarfilm "Havanna - die neue Kunst Ruinen zu bauen" von Florian Borchmeyer ist eine Gratwanderung zwischen sozialer Real-Analyse und Ironie. Er bringt dem Zuschauer die Stadt Havanna in einer Weise näher, wie man es als Tourist noch nicht betrachtet hat. Wirken die Gebäude im Vorbeigehen und Bestaunen immer noch ausdrucksvoll und imposant, wird dem Zuschauer in der Dokumentation plötzlich vor Augen geführt, dass das nur sehr wenig mit Romantik zu tun haben kann, hier leben zu müssen. Der Film porträtiert fünf Personen aus Havanna, die in Gebäuden in verschiedenen Stadien des Einsturzes wohnen. (Mittwoch, 2. März, 20 Uhr)

"City of God": Das mit Laiendarstellern besetzte Slum-Epos "City of God", 2004 mit vier Oscar-Nominierungen bedacht, ist ein Meilenstein in der Geschichte des lateinamerikanischen Kinos. Über einen Zeitraum von über 20 Jahren zeigt Regisseur Fernando Meirelles aus Sicht des Jugendlichen Buscapé die zunehmende Verrohung des Stadtteils. Cidade de Deus, die Stadt Gottes: das ist der Name, den die Stadtväter von Rio de Janeiro zynischerweise dem ärmsten Armenviertel der Zuckerhut-Metropole verpassten. Die Trabantenstadt vor den Toren der Stadt wurde für Landflüchtlinge aus dem seinerzeit von einer Dürre heimgesuchten Nordosten Brasiliens gebaut. Trotz aller guten Absichten der Architekten wurde die Cidade de Deus zu einem Slum, einer Brutstätte der Unmenschlichkeit. (Mittwoch, 9. März, 20 Uhr)

"Ruina": Was kann passieren, wenn eine Bank Pleite geht? Sie wird zum Beispiel von 3000 Personen besetzt und zu einem Wohnprojekt umgebaut. Im Zentrum von Caracas ragt eine 200 Meter hohe Bauruine in den karibischen Himmel und dient als Zuflucht und Wohnstätte für 750 Familien. Von der Nachbarschaft gefürchtet und verachtet und von der Stadtadministration ignoriert, arbeiten die Bewohner des Torre Confinanzas an ihrem Modell einer sozialistischen Mikrogesellschaft. Der Dokumentarfilm "Ruina" des Regisseurs Markus Lenz erzählt von Schwierigkeiten und Erfolgen beim Aufbau einer Sozialgemeinschaft aus einer Masse an Menschen. (Mittwoch, 16. März, 20 Uhr)

"Medianeiras": Martín, ein Web-Designer, und Mariana, eine Architektin, leben im selben Block in gegenüberliegenden Gebäuden im Zentrum von Buenos Aires. Obwohl sie Nachbarn sind, haben sie sich noch nie wirklich wahrgenommen. Sie laufen sich auf der Straße über den Weg, nehmen denselben Bus und sitzen im selben Kino, aber wissen nichts von der Existenz des anderen. Die Stadt führt sie immer wieder zusammen und trennt sie gleichzeitig. In "Medianeiras", einem Spielfilm des Regisseurs Gustavo Taretto, schauen wir den beiden zu und entdecken dabei auch Buenos Aires, das Regisseur Taretto in seiner architektonisch reizvollen Komposition mit visuellem Spürsinn festhält. (Mittwoch, 23. März, 20 Uhr)
Zu allen Filmen gibt es eine Einführung. Im Anschluss an die Vorführungen lädt die Architektenkammer zum "Get together" im Foyer des Filmmuseums, Schulstraße 4, bei dem Gelegenheit zum Austausch über das Programm besteht.