21.10.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Burg Linn: Geheime Räume und dunkle Verliese

Burg Linn: Geheime Räume und dunkle Verliese

Entdeckungstour durch die mittelalterliche Festung

Geheime Räume, vermauerte Gänge und dunkle Verliese – was in manchen Abenteuerromanen und Filmen als Fiktion erdacht wird, auf Burg Linn in Krefeld ist das alles vorhanden.

Krefeld - Museumsleiter Dr. Christoph Reichmann kennt natürlich alle diese verborgenen Orte in der Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert. "Einiges sehen Besucher nur während einer Führung, manches bleibt aber auch ihren Blicken vorenthalten“, so Reichmann. Der Archäologe stellte nun bei einer Entdeckungstour durch die mittelalterliche Festung diese Räume und Gewölbe vor.

"Zutritt verboten“ steht auf einem kleinen Schild, das an einer Kette hängend den Treppenzugang versperrt. Reichmann entfernt es und schreitet die dunkelbraunen Holzstufen hinauf. Bei jedem seiner Schnitte knarren die ausgetretenen Bretter. An einem dicken Bund sucht er den passenden Schlüssel für eine kleine Tür. "Das ist das sogenannten Kurfürstenzimmer, den hat der ehemalige Museumsleiter Albert Steeger noch in den 1950er-Jahren eingerichtet“, sagt er. Rüstungskammer wäre heute wohl die bessere Bezeichnung. Denn dort stehen diverse Ritterrüstungen, Schwerter und Schilde. "Das sind alles Nachbildungen, sonst wäre das Anfassen auch nicht erlaubt“, betont der Archäologe. Bei Führungen haben vor allem Kinder die Möglichkeit, unter anderem ein Ritterschwert selbst in die Hand zu nehmen. Die italienischen, burgundischen, französischen und deutschen Ritterrüstungen sind Originalen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nachempfunden.

Das Kurfürstenzimmer mit einem Renaissance-Bett und einem Kamin beherbergte nicht den Kölner Kurfürsten, sondern bis zu einem Brand im 16. Jahrhundert das Archiv der Burg. "So sind uns leider viele wichtige Quellen verlorengegangen “ bedauert Reichmann. Bei der Herrichtung des Raumes fanden Archäologen noch die Reste von grünen Kölner Kacheln eines Ofens, der einst den Amtmann im Archiv wärmte. Noch vor der Archivnutzung befand sich an dieser Stelle eine Wehrplattform. Im Mauerwerk sind noch deutlich die Zinnern zu erkennen.

In diese frühe Zeit der Burg Linn, also ins 13. Jahrhundert, führt auch der nächste Weg: Im Barock-Saal muss Reichmann mit etwas Mühe eine hölzerne Falltür im Eckturm öffnen. Darunter tut sich ein noch gut 1,50 Meter hoher Raum auf. Durch die Bohlen und einstige Schießscharten schimmert spärlich Licht in diese enge, verstaubte Kammer. "Der Boden stammt noch aus dem Mittelalter. Dort befindet sich auch noch ein Abtritt aus den Jahren zwischen 1250 und 1260“, erklärt Reichmann. Ein "Abtritt“, das war die Toilette der Burgleute. In der Mauer sind die Vertiefungen für Holzbalken zu sehen, auf denen die hohen Herren Platz nahmen. "Zum Burggraben hin war der Abritt noch gemauert, damit sie währenddessen nicht von Pfeilen getroffen werden konnten“, sagt Reichmann.

Während die meisten "geheimen Orte“ auf der Burg den Museumsleuten bekannt waren, entdeckten sie Anfang der 1990er-Jahre doch etwas Neues: einen Wehrgang aus dem 14. Jahrhundert zum Batterieturm. "Der Zugang wurde wohl 1955, als ein Flachdach eingebaut wurde, so geschickt zugemauert, dass er nicht mehr zu erkennen war“, sagt Reichmann. Erst im Rahmen des Aufbaus des heutigen Spitzdaches vor über 20 Jahren entdeckten sie den Gang wieder. Der enge, schmale Treppengang mit seinen stark ausgetretenen Backsteinstufen wurde wohl im 14. Jahrhundert aus dem Mauerwerk heraus gebrochen.

Der Burg Linn, eine der ersten Backsteinburgen überhaupt, blieb trotz eines großen Brandes 1702 das Schicksal erspart, gänzlich als Steinbruch zu dienen. Das lag unter anderem daran, dass die Burg weiterhin als Gefängnis genutzt wurde. "Es gab hier natürlich auch Kellergeschosse. Die wurden aber bei der Wiederherstellung der Burg nach dem Zweiten Weltkrieg meistens mit Schutt aufgefüllt, aber nicht alle“, schildert Reichmann. Hinter Gittern befindet sich im Erdgeschoss der Burg heute die Waffenkammer. Er hebt ein Holzgitter hoch, gut fünf Meter geht es von der Öffnung in die Tiefe. Die Amtleute kerkerten zuerst dort die Schurken und Banditen für die Zeit vor und während eines Prozesses beziehungsweise bis zu ihrer Hinrichtung ein. Später sperrten sie die Verbrecher in das Verlies im großen Burgturm. "Das wurde noch bis 1794 genutzt. Die leichteren Fälle kamen in die oberen Kammern, die schweren Fälle kamen nach unten“, sagt Reichmann. An einem Seil ließ man die "schweren Jungs“ in das Verlies hinab. Ein kleiner Zugang führt heute von außen knapp zwei Meter durch das Mauerwerk. Abrupt endet der Gang. Gut vier Meter geht es in die Tiefe. Flucht unmöglich? Zumindest zwei Soldaten im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) soll die Flucht durch Bestechung der Wachen gelungen sein, die sie aus dem "Loch“ per Seil herausgeholt haben.

Bei Wasser und Brot vegetierten die Delinquenten in dem dunklen Kerker, wie der 1740 hingerichtete "Schwarze Schmied“ aus Linn. Er raubte Silber aus der Kirche, wurde erwischt und eingesperrt. Angehörige oder Freunde der Inhaftierten konnten deren Situation dadurch verbessern, in dem sie die Wachen bestachen und den Gefangenen durch einen Lichtschacht Lebensmittel abseilten. "Die tiefen Spuren kann man heute noch sehen“, so Reichmann und deutet auf die Spuren. Ende der 1920er-Jahre sei der Kerkerboden mal untersucht worden, wobei Scherben von Krügen aus dem Mittelalter, aber auch Menschenknochen gefunden worden sein sollen, so Reichmann. "Die sind aber nicht erhalten geblieben“, fügt der Archäologie hinzu.

Zum Abschluss der Tour zeigt Reichmann vis-a-vis des Kerkerzugangs noch einen "verschwiegenen“ Ort an der äußeren Wehrmauer. Unter einer Eiche aus dem Jahr 1702 trafen und treffen sich auf der Bank einer Eckwarte Liebespaare.


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