16.06.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Bundesregierung will bessere Bezahlung und mehr Auszubildende in der Pflege

Bundesregierung will bessere Bezahlung und mehr Auszubildende in der Pflege

"Konzertierte Aktion Pflege" soll Arbeitsbedingungen spürbar verbessern

Mehr Personal, mehr Geld und zehn Prozent mehr Auszubildende: Die Bundesregierung will die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte spürbar verbessern.

Berlin - Ein Ziel der "Konzertierten Aktion Pflege", deren Ergebnisse am Dienstag in Berlin vorgestellt wurden, sind bundesweite Tarifverträge für Pflegekräfte und die gleiche Bezahlung in Ost und West. Bisher werden Pflegekräfte sehr unterschiedlich und eher niedrig entlohnt.

"Pflegekräfte verdienen Anerkennung und eine gute Bezahlung", erklärte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Ziel seien bessere Gehälter durch differenzierte Mindestlöhne sowohl für Hilfs- als auch für Fachkräfte sowie die gleiche Bezahlung in Ost- und Westdeutschland. Heil kündigte an, dass die rechtlichen Grundlagen dafür noch vor der Sommerpause von der Bundesregierung beschlossen werden sollen.

Dann sei die Pflegebranche am Zug. "Sie muss entscheiden, ob sie für bessere Löhne einen flächendeckenden Tarifvertrag abschließen kann, oder Mindestentgelte ? wie bisher ? über die Pflegekommission festgelegt werden sollen", erklärte Heil.

Heil hatte gemeinsam mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im vergangenen Jahr die "Konzertierte Aktion Pflege" gestartet, um dem Mangel an Fachkräften in der Branche entgegenzuwirken.

Dazu soll die Zahl der Auszubildenden in der Pflege sowie die Zahl der Ausbildungseinrichtungen bis 2023 im Schnitt um jeweils zehn Prozent gesteigert werden. Zudem sollen die Pflege-Verbände mindestens 5000 Weiterbildungsplätze für Pflegehelfer bereitstellen. "Wir sorgen für mehr Nachwuchs in der Pflege ? ohne Schulgeld und mit fairer Ausbildungsvergütung", betonte Giffey.

Angesichts zehntausender fehlender Pflegekräfte soll auch die Anwerbung von ausländischen Fachkräften forciert werden, unter anderem durch eine Fach- und Sprachausbildung in den Herkunftsländern. Spahn hat dabei besonders Balkanländer wie Kosovo oder Albanien im Blick.

Zudem soll ein Verfahren für verbindliche Personalschlüssel für Pflegekräfte in Krankenhäusern erarbeitet werden. Ein ähnliches Verfahren läuft bereits für Pflegeeinrichtungen, dessen Umsetzung müsse nun "zügig" angegangen werde. Die Digitalisierung im Pflegebereich soll vorangetrieben werden, die elektronische Pflegeakte und auch digitale Verordnungen sollen mittelfristig Standard sein. Die Telepflege, etwa Beratungen über das Netz, soll ausgebaut werden.

Mehr Personal und eine bessere Entlohnung macht allerdings auch eine bessere Finanzausstattung der Pflegeversicherung erforderlich. Das ist allen Beteiligten klar. Die Rücklagen der gesetzlichen Pflegeversicherung waren im vergangenen Jahr drastisch geschrumpft. Anfang 2019 war der Beitragssatz um 0,5 Prozentpunkte auf 3,05 Prozent (3,30 Prozent für Kinderlose) gestiegen. Das Gesundheitsministerium hofft, dass der Beitrag möglichst bis 2022 stabil bleiben kann.

"Pflege muss wieder attraktiver werden. Das geht nur mit mehr Personal", erklärte Spahn. Das entlaste nicht nur die einzelne Pflegekraft, sondern lasse auch mehr Zeit für die Betreuung der Pflegebedürftigen.

(xity, AFP)


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