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Böhmer: Zerstörung von Kulturstätten "Kriegsverbrechen"

Staatsministerin leitet Unesco-Konferenz in Bonn

Angesichts der Verwüstung antiker Stätten im Irak und in Syrien hat Staatsministerin Maria Böhmer (CDU) die gezielte Zerstörung von Kulturstätten als Kriegsverbrechen verurteilt.

Bonn - "Die Zerstörung von Kulturgütern ist eine neue Form der taktischen Kriegsführung des Islamischen Staats", sagte die amtierende Präsidentin des Unesco-Welterbekomitees im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Das Komitee will bei seiner am Sonntag beginnenden jährlichen Konferenz in Bonn auch über den Erhalt gefährdeter Weltkulturerbestätten wie der antiken Oasenstadt Palmyra in Syrien beraten.

Militärisch könne nicht immer eingegriffen werden, um die Zerstörung von Kulturgut zu verhindern, sagte Böhmer. "Wir können sie jedoch als das ächten, was sie ist: ein Kriegsverbrechen, das ideell und wirtschaftlich Lebensgrundlagen der Menschen zerstört und vor jedem Gericht der Welt geahndet werden kann", sagte Böhmer. "Terroristen sind sich der Kraft der Kultur sehr wohl bewusst. Denn Kultur ist die Basis für Identität, für den Zusammenhalt und für die Existenz von Menschen. Gerade deshalb wollen sie die kulturellen Wurzeln auslöschen."

Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt erinnerte daran, dass auf Initiative des Iraks und Deutschlands die UN-Generalversammlung Ende Mai eine Resolution angenommen hat, die die Verwüstung von Kulturstätten wie Hatra und Nimrud verurteilte. Die Resolution habe auch breite Unterstützung durch die muslimischen Staaten erfahren, sagte Böhmer. Dies zeige, dass die religiöse Begründung der IS-Miliz "von keinem Staat der Welt" akzeptiert werde. In Bonn soll nun ebenfalls eine Deklaration zum Schutz von gefährdetem Welterbe verabschiedet werden.

Böhmer erinnerte daran, dass auch Plünderungen, Raubgrabungen und illegaler Kulturgüterhandel die Kulturstätten gefährdeten. "Jeder muss wissen, dass er mit dem Kauf und Verkauf von illegal ausgeführten Kulturgütern den Terrorismus finanziert", mahnte Böhmer. In der EU seien daher Einfuhr und Handel mit Antiquitäten aus Syrien und Irak vollständig verboten. Deutschland bereite zudem ein neues Gesetz zum besseren Schutz von Kulturgut vor. Dieses soll im Sommer ins Kabinett gehen und nach Beratung durch den Bundestag 2016 in Kraft treten.

Die Staatsministerin verwies darauf, dass das Auswärtige Amt in den vergangenen Jahren im Irak Programme zum Kulturerhalt mit 700.000 Euro finanziert habe. Darunter sei die Restaurierung von Gebäuden, die Kartierung antiker Stätten und die Unterstützung des Nationalmuseums in Bagdad. Zudem werde mit Förderung des Auswärtigen Amts ein digitales Kulturgüterregister für Syrien erstellt. "Nur was dokumentiert ist, kann auch öffentliche Aufmerksamkeit erlangen", sagte Böhmer. Daher sei Dokumentation "eine überaus wichtige Schutzmaßnahme".

(xity, AFP)


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