23.09.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Böhmer fordert Schritte zum Schutz bedrohter Kulturgüter

Böhmer fordert Schritte zum Schutz bedrohter Kulturgüter

Unesco-Welterbekomitee plant Bonner Deklaration

Die derzeitige Vorsitzende des Unesco-Welterbekomitees, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), hat angesichts der Zerstörung von Kulturstätten in Nahost durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) präventive Schutzmaßnahmen angekündigt.

Berlin - "Wir wollen auch heute eine solche Entscheidung treffen, die Bonn-Deklaration", sagte Böhmer im Deutschlandradio Kultur. Das Unesco-Welterbekomitee tagt zur Zeit in Bonn, am Montag soll die Erklärung zum Schutz von gefährdetem Welterbe verabschiedet werden.

Zum Schutz bedrohter Kulturstätten solle zum einen der illegale Kulturgüterhandel unterbunden werden, hob Böhmer hervor. "Denn es geht nicht nur um Zerstörung, sondern auch um Plünderungen, und damit finanziert sich IS." Zudem verwies Böhmer auf eine deutsche Initiative in Syrien zur Digitalisierung von Kulturgütern, "um, wenn es wirklich zur Zerstörung kommt, den Wiederaufbau auch besser voranzubringen".

Auch sollten Experten aus Deutschland, vom Deutschen Archäologischen Institut oder von der Stiftung preußischer Kulturbesitz eng mit Wissenschaftlern im Irak und in Syrien und in anderen Regionen zusammenarbeiten, "um deren Fähigkeit, deren Expertenwissen zu stärken, damit man diese Kulturgüter besser erhalten kann", sagte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt.

Böhmer begrüßte zugleich den Beschluss der UN-Generalversammlung, die Zerstörung von Kulturschätzen als Kriegsverbrechen zu betrachten. Alle Staaten hätten sich hinter die Auffassung gestellt, dass es sich bei diesen Terrorakten um Kriegsverbrechen handele. "Wir sind hier nicht konfrontiert mit einer religiös motivierten Tat, sondern mit terroristischen Akten barbarischer Art, die darauf zielen, die Wurzeln der Menschen, deren Identität zu zerstören, und das kann man nicht zulassen."

Der IS hatte Welterbestätten im irakischen Nimrud und Hatra verwüstet und kürzlich auch die antike römische Oasenstadt Palmyra in Syrien erobert. Gemeinsam mit dem Irak brachte Deutschland Ende Mai eine Resolution in der UN-Generalversammlung ein, welche die Zerstörungen verurteilte.

Bereits am Wochenende hatte die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Verena Metze-Mangold, die Zerstörung von Kulturstätten in Nahost als barbarisch bezeichnet. "Die gezielte und irreversible Zerstörung von Welterbestätten im Nahen Osten durch Extremisten ist ein unerträglicher Angriff auf das kulturelle Gedächtnis der gesamten Menschheit", kritisierte Metze-Mangold.

Die Jahrestagung des Unesco-Welterbekomitess war am Sonntagabend in Bonn eröffnet worden. Deutschland ist nach 1995 zum zweiten Mal Gastgeber des Komitees. Bei seinen bis zum 8. Juli dauernden Beratungen entscheidet das Gremium auch über die Aufnahme von 36 Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste.

Deutschland hat diesmal die Hamburger Speicherstadt ins Rennen geschickt, ebenso den Naumburger Dom mit der hochmittelalterlichen Kulturlandschaft an Saale und Unstrut. Die Bundesrepublik ist bisher mit 39 Stätten in der Welterbeliste vertreten.

(xity, AFP)


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