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Black Box widmet sich Werken von Youssef Chahine

Filme des ägyptischen Regisseurs werden gezeigt

Vom 1. bis 29. Oktober 2019 widmet sich die Black Box dem über fünf Jahrzehnte umspannenden Werk von Youssef Chahine, einem der bedeutendsten Filmemacher Ägyptens.

Düsseldorf - Chahines Karriere begann zu einer Zeit historischer Unruhe in Ägypten. Der langsame Dekolonialisierungsprozess setzte einen politischen und gesellschaftlichen Wandel in Gang, der mit der Nasser-Revolution von 1952, der Suez-Krise 1956, dem Sechstage-Krieg ein Jahr später und dem Aufstieg des Sozialismus seine Höhepunkte fand. Der Widerstand und die Befreiung von einer seit 1922 allein formal für beendet erklärten britischen Besetzung mit einer gleichzeitigen Hinwendung zum Nationalismus wirkten nicht nur auf die Bevölkerung Ägyptens mobilisierend, sondern bestärkten auch Chahines politische Teilhabe.

In seinen Filmen lassen sich immer auch persönliche Bezüge wiederfinden - es lässt sich nicht allein auf soziale Beweggründe reduzieren. Chahine brach gegen den Wunsch seines Vaters das Ingenieurstudium in Kairo ab und ging in die USA, um am Pasadena Playhouse Schauspiel und Regie zu studieren. Nach seiner Rückkehr war er als Regieassistent tätig und probierte sich ungezwungen in allen Genres aus. Es folgten erste sozialkritische Filme, aber auch eine Reihe an - selbst nach Chahines eigener Aussage - anspruchslosen Musikfilmen. Dann schuf er BAB EL HADID, ein Meisterwerk des ägyptischen Kinos mit Anleihen an den Neorealismus und, mit seinem Einsatz von Komik und Musik, auch an die Studioproduktionen Hollywoods. Der Film mit seinen radikalen Inhalten und der Offenheit im Umgang mit Sexualität und Gewalt führte zu internationaler Aufmerksamkeit, aber auch zu Aufführungsverboten und leeren Kinosälen.

Das Werk Chahines war immer vielseitig. Seien es monumentale Historiengemälde, psychologische Dramen oder die von surrealem Humor geprägte autobiografische "Alexandria-Tetralogie" – sein politisches Engagement war geleitet von einem emotionalen Interesse an seinen Mitmenschen: "Ich wollte eine Zuneigung zu den Leuten um mich herum ausdrücken. Dies fand ich bisher noch nicht im Film. Ich bin an meinen Nachbarn interessiert, an den mir nahestehenden Personen." Dieses Bewusstsein um die eigene soziale Verantwortung machte Chahine, auch liebevoll "Jo" oder "unser alter Jugendlicher" genannt, nicht nur zu einem beim ägyptischen Volk beliebten Filmemacher, sondern auch zu einem der wichtigsten Vertreter des arabischen Kinos.


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