19.09.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Biologischer Waldbrand im Märkischen Kreis

Biologischer Waldbrand im Märkischen Kreis

Bereits mehr als 200.000 Bäume abgestorben

Regionalforstamt und Kreisverwaltung sprechen von einer besorgniserregenden Entwicklung in den Wäldern des Märkischen Kreises. Nicht nur Fichten betroffen, alle Baumarten haben Probleme.

Iserlohn - Die Folgen des Klimawandels sind mittlerweile auch in den Märkischen Wäldern unübersehbar. Nicht nur, dass die Wälder des Amazonas und der russischen Taiga brennen – nein, auch im den hiesigen Wäldern tobt gerade – ausgelöst durch die anhaltende Dürre - ein biologischer Waldbrand. Denn - so Jörn Hevendehl, Leiter des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland – das Ergebnis ist das gleiche: Hektarweise vernichteter Wald.
Temperaturanstieg und deutlich abnehmende Niederschläge, dazu wiederkehrende heftige Sturmereignisse wie zuletzt im Januar 2018 haben im Märkischen Kreis zum massenhaften Absterben der Bäume durch Borkenkäferbefall und Trockenschäden geführt. „Das hat neben einer enormen finanziellen Wertevernichtung dramatische Folgen für den Klimaschutz“, zeigt sich auch Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper besorgt um den Zustand der hiesigen Wälder.
Insbesondere die Fichtenwälder sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen. Kreisweit zeigen neben den Fichten aber auch die älteren Buchen Eichen und Birken eine starke Kronenverlichtung bis hin zum kompletten Absterben. Ahorn und Esche leiden unter der Rußrindenkrankheit und dem Eschentriebsterben. Die Eschen sind so stark betroffen, dass sie aus Wald und freier Landschaft weitgehend verschwinden werden.

Klimakraftwerk Wald in Gefahr
Damit ist vor allen Dingen die jetzt so wichtige Treibhausgasspeicherung der hiesigen Wälder in Gefahr, konstatiert Jörn Hevendehl. Schließlich ist die Hälfte des Märkischen Kreises mit Wald bedeckt. Das sind 56.000 Hektar. Dieser Wald ist das leistungsfähigste örtliche Klimakraftwerk, das die Märker haben. Bis zu 20 Prozent der jährlichen, kreisweiten CO2-Emissionen wurden bislang der Atmosphäre direkt wieder durch das hiesige Waldvorkommen und dessen nachhaltiger Bewirtschaftung entzogen. „Gerade jetzt brauchen wir im Ringen um CO2-Senkung intakte, leistungsfähige Wälder“, so Hevendehl.


Zu Überwachung der Wälder helfen seit Neustem auch Daten aus dem Weltall. So sind die Revierförster des Regionalforstamtes mit spezieller EDV in den Wäldern unterwegs, um mögliche Befallsherde zu lokalisieren.
Die Karten illustrieren in sieben Stufen und einem 10x10-Meter-Raster, wie sehr die Bäume geschwächt sind und dadurch anfällig für Borkenkäferbefall. Was zunächst banal klingt, ist für Förster und Waldbesitzende eine große Hilfe bei der Borkenkäfer-Bekämpfung. Die Entwicklung der Karten ist ein Ergebnis aus der Arbeit in der „Task-Force Borkenkäfer“ des Umweltministeriums NRW. Sie sind online abrufbar über das Portal www.waldinfo.nrw.de.
Übereifer ist jedoch fehl am Platz. Für Marcus Teuber und seinen Revierassistenten Jonathan Schulte heißt es kühlen Kopf bewahren. Schnelle und rationelle Entscheidungen sind wichtig, um die vorhandenen Arbeitskräfte und Holzabsatzkanäle im Sinne der Walderhaltung zu koordinieren.


Dafür ist die Kooperation mit den Forstbetriebsgemeinschaften, den Kommunen und der Holzvermarktungsorganisation WaldHolz Sauerland entscheidender Erfolgsfaktor, so die Experten vom Regionalforstamt.


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