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Bildungsministerin Wanka hält Deutschlandstipendium für Erfolg

SPD fordert wegen verpasster Ziele Einstellung von "Rohkrepierer"

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hält das sogenannte Deutschlandstipendium für Studierende weiterhin für einen Erfolg.

Berlin - Im internationalen Vergleich gebe es in Deutschland bislang keine "Stipendienkultur", was sich jedoch mit dem 2011 unter Schwarz-Gelb gestarteten Programm zu ändern beginne, sagte Wanka am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des ersten Evaluationsberichts. Mit rund 22.500 Stipendiaten 2014 förderte das Deutschlandstipendium 0,84 Prozent aller Hochschüler.

Die angestrebte Förderquote von zuletzt zwei Prozent aller Studierenden wird damit jedoch verfehlt. Ursprünglich war sogar eine Förderquote von bis zu acht Prozent als Ziel ausgegeben worden. Bei dem Programm müssen Hochschulen 150 Euro monatlich von privaten Gebern wie etwa Unternehmen einwerben, weitere 150 Euro schießt dann der Staat dazu.

Der Bericht gebe dem Deutschlandstipendium insgesamt eine "gute Note", sagte Wanka. Die Ministerin hob hervor, beim Deutschlandstipendium handele es sich nicht um "klassische Begabtenförderung", sondern um Unterstützung sozial engagierter beziehungsweise benachteiligter Hochschüler. Die Zusammensetzung der Stipendiaten spiegelte dem Bericht zufolge jedoch mit einem Akademikerkinder-Anteil von 50 Prozent genau die Verteilung wider, die unter allen Studierenden zu finden ist.

Der Anteil der Geförderten mit Migrationshintergrund lag mit mehr als einem Viertel über ihrem Anteil an der Gesamtzahl der Studierenden in Deutschland. Der Anteil der Stipendiaten ohne deutsche Staatsbürgerschaft lag hingegen unter ihrem Anteil an der Gesamtzahl aller Studierenden.

Wanka sprach in diesem Zusammenhang von einer "sozialen Ausgewogenheit" bei der Zusammensetzung der Stipendiaten, räumte aber ein, der Anteil sozial benachteiligter Studierender müsse erhöht werden. "Damit können wir nicht zufrieden sein", sagte die CDU-Ministerin. Sie wolle das Programm weiterführen und die Förderung sozial Benachteiligter ausbauen.

Die Hochschulrektorenkonferenz zog eine positive Bilanz des Stipendiums: Studierende, Hochschulen und Förderer könnten gleichermaßen von dem Modell profitieren und Wissenschaft und Wirtschaft dadurch einfacher verzahnt werden.

Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen, gab dem Programm hingegen eine schlechte Note. Wankas "Jubelrufe" angesichts der weit verfehlten Förderquote nannte Gehring "bizarr". Er forderte, die Fördermittel in Höhe von 47 Millionen Euro stattdessen über das BAföG allen Studierenden zur Verfügung zu stellen.

Swen Schulz von der SPD-Arbeitsgruppe Bildung und Forschung nannte es "eine schallende Ohrfeige", dass das Stipendium zu den am schlechtesten abgerufenen Titeln des Bildungsministeriums gehöre. Ein großer Teil der Mittel fließe ungenutzt zurück zum Bundesfinanzminister. Das Programm sei daher ein "Rohrkrepierer" und gehöre eingestellt.

(xity, AFP)


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