23.10.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Bertelsmann-Studie sieht Demokratie weltweit auf dem Rückzug

Bertelsmann-Studie sieht Demokratie weltweit auf dem Rückzug

Zahl der Diktaturen hat sich erhöht

Die Demokratie ist einer Bertelsmann-Studie zufolge weltweit auf dem Rückzug.

Berlin - "So drastisch wie noch nie, in so vielen Ländern wie noch nie" seien in den vergangenen zwei Jahren Bürgerrechte eingeschränkt worden, sagte die Projektleiterin für den Bertelsmann-Transformationsindex (BTI), Sabine Donner, dem "Spiegel". Von 129 untersuchten Staaten sind laut BTI 55 Autokratien, darunter 40 "harte" Diktaturen - sieben mehr als noch vor zwei Jahren.

In mehr als der Hälfte der untersuchten Staaten habe die Demokratie in den vergangenen beiden Jahren erheblich gelitten, zitierte der "Spiegel" aus der rund 3000 Seiten umfassenden Untersuchung. Es seien vor allem die Machthaber in den arabischen und in den Maghreb-Ländern, die härter regierten. Sie ließen Demonstrations- und Versammlungsrechte einschränken, behinderten Oppositionsparteien, gängelten die Medien und manipulierten Wahlen.

Einen ähnlichen Effekt beobachten die BTI-Forscher in Osteuropa und Zentralasien, genannt werden Russland und Länder der ehemaligen Sowjetunion. In Afrika schließlich habe der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen Jahre der Demokratie nicht automatisch geholfen.

Nur in wenigen Ländern wie Mali, Guinea, Nepal oder die Ukraine wurden laut Studie demokratische Prozeduren und Institutionen gestärkt. Besonders bedenklich sei, dass auch in halbwegs gefestigten Demokratien autoritäre Tendenzen sichtbar seien, heißt es laut "Spiegel" in der Bertelsmann-Studie. Genannt werden Ungarn und Polen.

Auch der Einfluss religiöser Kräfte nimmt laut BTI zu, etwa in der Türkei und in Nigeria. Der Anteil der Länder, in denen religiöse Dogmen die Politik beeinflussen, stieg laut Studie von 22 Prozent im Jahr 2006 auf 33 Prozent 2016.

Für den BTI erheben und analysieren rund 250 Experten alle zwei Jahre Daten in 129 Umbruchsländern - etwa zu Versammlungsfreiheit, Wahlen, Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung und Schutz von Bürgerrechten. Der Index gibt damit Auskunft über Erfolge und Rückschritte auf dem Weg zu Demokratie und sozialer Marktwirtschaft.

(xity, AFP)


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