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Ben-Zeev: Deutsch-israelisches Verhältnis "aus der Spur"

Ex-Botschafter sieht Verbesserungsbedarf in Beziehungen

Israels Ex-Botschafter in Deutschland, Yoram Ben-Zeev, hält die Beziehungen zwischen beiden Ländern für verbesserungswürdig. Sie seien "teilweise aus der Spur geraten", sagte Ben-Zeev anlässlich der deutsch-israelischen Regierungskonsultationen.

Israels früherer Botschafter in Deutschland, Yoram Ben-Zeev, hält die Beziehungen zwischen beiden Ländern für verbesserungswürdig. Sie seien "teilweise aus der Spur geraten", sagte Ben-Zeev im Vorfeld der fünften deutsch-israelischen Regierungskonsultationen der Nachrichtenagentur AFP. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfahl er, sie solle "sich noch stärker offensiv für ein Nahostabkommen einsetzen". Merkel wird am Abend mit dem Bundeskabinett in Jerusalem erwartet.

Der Botschafter, der sein Land in den Jahren 2007 bis 2011 in Deutschland vertreten hatte, sagte wörtlich: "Die deutschen Beziehungen zu Israel sind teilweise aus der Spur geraten und nicht mehr in dem wirklich guten Zustand, den sie in früheren Jahren unter Bundeskanzlerin Merkel erreicht hatten." Er sei aber überzeugt, dass "das früher erreichte Niveau wiederhergestellt werden" könne, wenn beide Seiten darauf hinarbeiteten.

Ben-Zeev zweifelte aktuelle israelische Zeitungsberichte an, nach denen es in der Bundesregierung Bestrebungen gebe, die besondere Partnerschaft mit Israel zu normalisieren. "Unsere Beziehungen können nicht ´normal´ sein, sie sollten auch einzigartig und besonders bleiben", sagte der 69-jährige Diplomat. Aufgrund der Geschichte bleibe das Verhältnis zwischen beiden Ländern sehr viel emotionaler als zwischen anderen Staaten. Dies führe gelegentlich auch zu übertrieben empfindlichen Reaktionen und Kommentaren von Politikern oder in den Medien.

Hauptgrund für die Verschlechterung der bilateralen Beziehungen sind nach Beobachtung Ben-Zeevs die schon lange anhaltenden Meinungsverschiedenheiten zur israelischen Siedlungspolitik in den besetzten Palästinensergebieten. "Ich kann mich an kein einziges Treffen erinnern, in dem die Deutschen nicht klar gesagt haben, dass sie die Siedlungen für ein Friedenshindernis halten und dass sie für eine Zweistaatenlösung sind", sagte er.

Wenn im Nahen Osten ein Friedensabkommen erreicht würde, "können wir reinen Tisch machen und unsere Zusammenarbeit noch deutlich vertiefen", führte der Diplomat weiter aus. Er war im Jahr 1993 unter Regierungschef Jizchak Rabin Koordinator für die Osloer Friedensgespräche gewesen.

Andererseits dürfe Deutschland seine Kritik nicht zum Anlass nehmen, Israel allein zu lassen. "Dass sich die Bundesregierung 2012 in der UN-Generalversammlung bei der Abstimmung über den Beobachterstatus der Palästinenser enthalten hat, löste in Jerusalem bittere Enttäuschung aus, das belastet noch heute die Beziehungen", berichtete Ben-Zeev.

Weiter sagte der Diplomat, er halte es in der derzeitigen Lage für sehr wichtig, "dass sich die Bundesregierung noch viel stärker vermittelnd in den Friedensprozess einbringt", den US-Außenminister John Kerry ermöglicht habe. Der langjährige Botschafter, der auch in Asien und den USA tätig war, drängte die deutsche Seite: "Berlin sollte sich nicht an die Seitenlinie zurückziehen, das wäre hochgiftig für die Beziehungen."

© 2014 AFP


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