Bedrohung durch Cyberkriminalität in Deutschland auch 2020 gestiegen

BKA verzeichnet Zunahme um acht Prozent

Die Bedrohung durch Cyberkriminelle ist in Deutschland nach Einschätzung des Bundeskriminalamts (BKA) weiter gestiegen.

Wiesbaden - Dem am Montag vom BKA in Wiesbaden veröffentlichten jährlichen sogenannten Bundeslagebild Cybercrime zufolge stieg die Zahl der von der Polizei registrierten Taten im vergangenen Jahr um 7,9 Prozent auf 108.000. Laut BKA nahm die Bedrohung auch qualitativ zu, weil die Digitalisierung voranschreitet und Täter aus der globalen Cybercrimeindustrie immer professioneller werden.

Die Zahl der Cybercrimedelikte steigt bereits seit Jahren beständig an. Auch weiterhin erwartet das BKA keine Trendwende. Jüngst seien durch die Auswirkungen der weltweiten Corona-Pandemie, etwa die Umstellung auf Homeoffice und Homeschooling, "weitere breit gefächerte Angriffspotenziale" für Kriminelle dazugekommen, resümierte die Behörde. Auch die Pharmaindustrie gerate durch die Bedeutung der Impfstoffproduktion im Kampf gegen Corona verstärkt ins Visier und werde "interessanter".

Das Bundeslagebild erfasst alle Taten der Cyberkriminalität im engeren Sinn - also etwa Hackerangriffe auf Firmen, Sabotage, Datenhehlerei oder Computerbetrug mittels des Ausspähens von Passwörtern durch Schadsoftware. Die deutlichste Steigerung im Vergleich zum Vorjahr gab es im Bereich der Datenveränderung und Computersabotage mit einem Plus von rund 18 Prozent auf etwa 3800. Insgesamt erfasst die Statistik dabei nur die der Polizei bekannten Fälle. Es gibt also zusätzlich ein Dunkelfeld.

Besonders gefährdet sind laut BKA prinzipiell große Unternehmen sowie Firmen und öffentliche Einrichtungen im Bereich kritische Infrastruktur. "Cyberkriminelle greifen dort an, wo es sich aus ihrer Sicht finanziell lohnt", hieß es in dessen Bericht. Diese seien für ein reibungsloses Funktionieren wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Prozesse zentral und daher bevorzugte Ziele etwa für sogenannte Ransomwaredelikte. Dabei verschlüsseln Kriminelle wichtige Daten und verlangen anschließend Lösegeld.

Derartige Ransomwareattacken hätten auch 2020 "zu den primären Bedrohungen für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen" in Deutschland gehört, berichtete das BKA. Zugleich blieben beim klassischen digitalen Identitätsdiebstahl weiter "altbekannte Methoden" wie Kampagnen mit Spam-E-Mail und Phishingmails mit infizierten Anhängen das Mittel der Wahl. Insgesamt seien neben dem "Faktor Mensch" vor allem unsichere Systeme ein Einfallstor.

(xity, AFP)