21.10.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Bad Times at the El Royale

Bad Times at the El Royale

Spannender Thriller im Noir-Look

In seinem zweiten Film als Regisseur lässt Drew Goddard eine Reihe zwielichtiger Gestalten in einem geheimnisvollen Hotel zusammentreffen.

Düsseldorf - Als der Priester Daniel Flynn (Jeff Bridges) und die Sängerin Darlene Sweet (Cynthia Erivo) das titelgebende Hotel durch Zufall zur selben Zeit erreichen, treffen sie dort auf den Staubsaugervertreter Laramie Seymour Sullivan (Jon Hamm), der bislang vergeblich auf einen Mitarbeiter gewartet hat. Irgendwann erscheint nicht nur der etwas fahrig wirkende Rezeptionist Miles (Lewis Pullman), sondern auch eine mysteriöse Fremde (Dakota Johnson), die beim Einchecken ihren Namen unterschlägt. Wie sich schon bald herausstellt, haben viele der Anwesenden keine reine Weste. Und noch dazu birgt das altehrwürdige, inzwischen aber angestaubte El Royale einige düstere Geheimnisse.

Das Grundkonzept mag der "Identität"-Prämisse ähneln, erweist sich allerdings als Spielfeld für eine eigenständige, höchst unterhaltsame Noir-Geschichte, die auch dank ihrer Retro-Optik und ihrer akustischen Untermalung einen starken Eindruck hinterlässt. Goddard siedelt seine zweite Spielfilmregiearbeit Ende der 1960er-Jahre an und bemüht sich sichtlich um die glaubwürdige Rekonstruktion der damaligen Zeit. Schon das Hotel und seine Inneneinrichtung lassen viel Liebe zum Detail erkennen, was gleichermaßen für die Auswahl der zum Teil sehr prominent platzierten Musikstücke gilt.

Ereignisse, die in der hier abgebildeten Periode für großes Aufsehen sorgten, werden geschickt in die Handlung integriert und dazu genutzt, ein schillerndes Panorama der Sehnsüchte, Laster und persönlichen Qualen zu entwerfen. Das in Kapitel unterteilte Drehbuch erforscht sukzessive die Hintergründe der Protagonisten, fordert in manchen Dialogszenen vom Zuschauer Geduld ein, hat aber auch diverse überraschende Wendungen und handfeste Nervenkitzel-Momente samt plötzlichen Gewalteruptionen zu bieten.

In einigen Passagen lässt sich zwar erahnen, wohin der Hase laufen könnte. Und manchmal wird es ein bisschen plakativ. Langeweile produziert das zuweilen auch komische Akzente setzende, spürbar von Quentin Tarantinos Schaffen beeinflusste Kammerspiel jedoch zu keinem Zeitpunkt, da Goddard immer wieder mit gewitzten Ideen um die Ecke kommt und ein zuweilen bestens harmonierendes Ensemble in den Ring schickt. Amüsant und einfühlsam zugleich ist etwa der Auftritt von Knautschgesicht Jeff Bridges, der dem rätselhaften Priester eine ungeahnte Verletzlichkeit verleiht. Überzeugend in ihrer kühlen Präzision ist ferner Dakota Johnson, während Thor-Darsteller Chris Hemsworth gegen Ende sehr einprägsam seine bedrohliche Seite herauskehrt.

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