Aufrufe zu Solidarität mit Flüchtlingen zum Abschluss des Katholikentages

Marx: "Wer an unsere Grenze kommt, wird menschenwürdig behandelt"

Mit Aufrufen zu Toleranz und einem menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen ist der 100. Deutsche Katholikentag in Leipzig am Sonntag zu Ende gegangen.

Leipzig - "Wenn jemand an unsere Grenze kommt und in Not ist, dann wird dieser Flüchtling menschenwürdig behandelt, dann bekommt er ein faires Verfahren", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, am Sonntag beim Abschlussgottesdienst auf dem Augustusplatz.

Marx mahnte, niemand dürfe dorthin zurückgeschickt werden, wo ihm Krieg und Verfolgung drohten. Zugleich erinnerte er an die Verantwortung der europäischen Staaten in der Flüchtlingskrise. "Wir müssen alles dafür tun, dass die europäische Grenze nicht eine Grenze ist, wo jedes Jahr mehrere tausend Flüchtlinge ertrinken", sagte er vor den rund 20.000 Menschen, die sich unter blauem Himmel zum Abschlussgottesdienst versammelt hatten. "Das dürfen wir nicht zulassen."

Marx rief die Katholiken auf, sich der Not der Menschen zuzuwenden. Die Kirche dürfe keine selbstverliebte Kirche sein, "die um sich selber kreist".

Seit Mittwoch hatten rund 34.000 Dauergäste den Katholikentag in Leipzig besucht. Damit seien die Erwartungen übertroffen worden, erklärten die Veranstalter. Dazu kamen noch jeweils rund 6000 Tagesgäste, das waren weniger als ursprünglich erwartet. Zu den beherrschenden Themen gehörten neben der Flüchtlingskrise und dem Diakonat der Frau auch der Umgang mit der AfD.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, wandte sich erneut gegen "alle, die nicht Ängste nehmen, sondern sie schüren, die Misstrauen säen und ganze Gruppen oder Religionen herabwürdigen". "Wir wollen den Dialog auch und gerade mit Muslimen", sagte Sternberg zum Abschluss des Kirchentages. Es gehe darum, "Fremdheit in Vertrautheit" zu verwandeln.

Nationalistischen Bestrebungen erteilte er eine klare Absage: "Wir sagen Nein zu einem ausgrenzenden Nationalismus, der schon so viel Leid über die Menschen gebracht hat."

Das ZdK hatte ausdrücklich keine AfD-Politiker zum Katholikentag eingeladen und damit eine teils kontroverse Debatte ausgelöst. AfD-Chefin Frauke Petry sprach von der Ausgrenzung einer gesellschaftlichen Gruppe, wie sie es bislang noch nicht erlebt habe. Dies sei ein "unchristliches Verhalten sondergleichen", sagte Petry im Interview der Woche im Deutschlandfunk.

Zudem warf sie den Kirchen vor, die Flüchtlings- und Migrationskrise für eigene Interessen zu nutzen. Die Kirchen beteiligten sich an der Aufnahme von Flüchtlingen und erhielten dafür staatliche Mittel. Das habe nichts mit Nächstenliebe zu tun, sondern sei "eine Art modernen Ablasshandel". Bayerns AfD-Vorsitzender Petr Bystron hatte sich zuvor bereits ähnlich geäußert.

Auf dem fünftägigen Kirchentreffen waren rund tausend Veranstaltungen geboten worden, darunter viele Podiumsdiskussionen. Leipzig als Ort des Katholikentages war nicht unumstritten, weil in der Stadt selbst nur etwa 24.000 Katholiken leben. Das sind rund vier Prozent der Bevölkerung. Insgesamt leben in Deutschland etwa 23,9 Millionen Katholiken.

Der nächste Katholikentag findet 2018 in Münster statt. Zuvor gibt es 2017 - zum 500. Jubiläum der Reformation - den Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg.

(xity, AFP)