Atelierausstellung in der Weinbrennerei Dujardin

Gemeinschaftsprojekt mehrerer Künstler

Frisch gestrichene rostbraune Stahlträger lenken zuerst den Blick an die Decke. Der Putz fehlt an einigen Wänden und größere Flächen mit Backsteinen treten hervor.

Krefeld - Die großen Räume im Atelierhaus an der Hohenbudberger Straße 4 bis 10, das Atelier des Künstlers Rudolf Löhr, die im Januar vergangenen Jahres ein Brand zerstörte, werden momentan hergerichtet. Diese Zwischenzeit nutzen die Künstler, um dort ihre Gemeinschaftsausstellung am Samstag, 27., und Sonntag, 28. Februar, zu zeigen. Nirgendwo sonst in Krefeld arbeiten so viele, auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannte, hiesige Künstler Tür an Tür wie in der ehemalige Weinbrennerei Dujardin in Uerdingen am Rhein. Diese Ausstellung bildet einen Querschnitt, der als Ausgangspunkt dazu einlädt, sich in deren Ateliers weiter umzuschauen, in denen sie ihre aktuellen und älteren Werke präsentieren.

Mit vier Arbeiten ist Sibylle Gröne in der Gemeinschaftsausstellung vertreten: Sie hat in einem Düsseldorfer Park vier Eisenschalen mit gut anderthalb Meter Abstand unter einem Nussbaum aufgestellt. In die Schalen platzierte sie Gewebe. Gröne setzt ihre Vorgehensweise in Bezug zur Gärtnerei: Sie sät, gießt an und überlässt dann der Natur alles Weitere. Wetter, Pflanzen, Tiere und Korrosion wirkten sechs Wochen auf das Gewebe bis zur "Ernte" ein. Das nur leicht nachbearbeitete Ergebnis ist erstaunlich. "Jede Schale hat ihre Geschichte", so Gröne. Denn trotz des nur geringen Abstandes entstanden von Natur und Zeit völlig unterschiedlich kreierte Bilder. Nun ist das Gewebe auf Rahmen gespannt und als Quartett zu sehen. Eine gänzlich andere Arbeit erwartet die Besucher in Grönes' Atelier: Als Kind verbrachte sie Zeit bei Verwandten an der Küste im norditalienischen Tigullien am Ligurischen Meer. Sie schenkten ihr auch ein Leporello mit zahlreichen Ansichten von Küstenstädten. Diese Aufnahmen spiegelte sie zu Panoramaansichten, die sie zudem weiter bearbeitet hat. Die blumigen Postkartenmotive transformierte sie so zu surrealen Fantasielandschaften. Daraus ist eine Serie unter dem Titel "Arcadien" entstanden, die sie als Einschub in ihre bisherige Arbeit bezeichnet. Drei der Panoramabilder von Sybille Gröne sind seit dem 21. Februar auch in der Ausstellung "Die Grosse 2016" im Museum Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen.

Auf ein verblüffendes "Trugbild" stoßen Besucher im Atelier von Johannes Trittien. Im Raum liegt ein weißer, monolithischer Block, der den Anschein erweckt, es handele sich um ein schweres Objekt, das vielleicht aus Beton besteht. Tatsächlich entpuppt es sich als fragile Arbeit. Sie besteht aus 20.000 DIN-A4-Blättern, die nur durch eine hauchdünne, geleimte Schutzschicht zusammengehalten werden. Und auch in den anderen Ateliers erwarten Besucher spannende Arbeiten: Die mehrfache Teilnehmerin der Kunstausstellung "Die Grosse" Lydia Mammes zeigt ihre sechs mal zwei Meter große Installation ?Mapping the Difference". Ihr Gast Bart Koning präsentiert eine Portraitserie mit dem Titel "Man the Player". Als Vorgabe dienten ihm nur Millimeter große Köpfe von Spielzeugfiguren. Die Gesichter, wie die eines Polizisten oder Piloten, sind durch das Spiel stark abgenutzt und kaum noch als solche zu erkennen. Als Hommage an den Atelierhaus-Mitbegründer Günter Dohr wird in der Gemeinschaftsausstellung mit einer seiner Lichtinstallationen an ihn erinnert.

Die Atelierausstellung mit den weiteren Künstlern Jan Kalff, Martina Urmersbach, Frank Joerges, Heinz Ladage, Sabine Brüning, Ralf Janowski und Matthias Melcher wird am Freitag, 26. Februar, um 19 Uhr eröffnet. Sie ist am Samstag, 27. Februar, von 14 bis 19 Uhr und Sonntag, 28. Februar, von 11 bis 18 Uhr zu sehen.