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Armut in Großstädten größeres Problem als in kleinen Gemeinden

Aktueller Bericht der Bertelsmann-Stiftung

Armut ist in deutschen Großstädten laut einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung ein größeres Problem als in kleineren Kommunen.

Berlin - Der Anteil von Sozialleistungsempfängern an der Gesamtbevölkerung lag in den Städten laut Daten für 2016 rund vier Prozentpunkte höher als im Bundesschnitt, teilte die Stiftung am Dienstag mit. Grüne, Linke und der Deutsche Städtetag forderten Hilfen für die Kommunen.

In Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern bezogen laut Studie 14 Prozent der Bevölkerung Sozialleistungen, während es bundesweit im Schnitt 10,1 Prozent waren. Dieser Umstand schlägt sich nach Angaben der Autoren auch in der Wahrnehmung von Bürgern und Stadtverwaltungen nieder. Die Stiftung stellte in ihrem aktuellen sogenannten Monitor nachhaltige Kommune verschiedene Daten und Umfragen zu dem Thema dar.

Laut einer von ihr im vergangenen Jahr in Auftrag gegebenen Umfrage sahen Einwohner von Großstädten demnach Armut vor Ort zu 51 Prozent als großes oder sehr großes Problem an. Bundesweit betrachtet war es mit 27 Prozent nur etwa die Hälfte, wie die Stiftung in Gütersloh mitteilte.

Die Verwaltungschefs von Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern sahen Armut zu 22 Prozent als großes oder sehr großes Problem, über alle kommunalen Verwaltungschefs hinweg waren es sechs Prozent. Die Stiftung riet Großstädten, ihre Strategien zur Bekämpfung von Armut zu verfeinern. Dazu gehörten detailliertere Armutsberichte. Immer öfter konzentrierten sich soziale Probleme in bestimmten Quartieren.

Der Deutsche Städtetag forderte als Reaktion mehr Unterstützung für strukturschwache Städte und Regionen. Die Städte bekämpften Armut mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, könnten die "eigentlichen Ursachen für Armut" vielfach aber selbst nicht lösen, erklärte der Städtetagspräsident und Oberbürgermeister von Münster, Markus Lewe (CDU), am Dienstag.

Grüne und Linke im Bundestag verlangten mehr Hilfen des Bundes. Dieser müsse "dringend mehr Verantwortung übernehmen", erklärte der Grünen-Experte Wolfgang Strengmann-Kuhn. Städte und Kommunen könnten das Problem nicht mehr allein bewältigen. Auch Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch äußerte sich am Dienstag ähnlich. "Die Bundespolitik muss die Kommunen im Kampf gegen Armut dringend stärker unterstützen."

(xity, AFP)


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