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ARD-Journalist Seppelt reist wegen Sicherheitsgefahr nicht zur WM nach Russland

Entscheidung befeuert Debatte über Politikerbesuche der WM

Der mit Sicherheitsbedenken begründete Verzicht des ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt auf eine Reise zur Fußballweltmeisterschaft nach Russland hat die Debatte um den politischen Umgang mit Russland neu befeuert.

Der mit Sicherheitsbedenken begründete Verzicht des ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt auf eine Reise zur Fußballweltmeisterschaft nach Russland hat die Debatte um den politischen Umgang mit Russland neu befeuert. Grünen-Chefin Annalena Baerbock forderte am Donnerstag in Berlin, auch deutsche Politiker sollten aus Solidarität mit Seppelt nicht zur Weltmeisterschaft reisen. Hingegen hält der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Dirk Wiese (SPD), mit Gesprächen mit zivilgesellschaftlichen Gruppen verbundene WM-Besuche deutscher Politiker für sinnvoll.

Russland hatte erst nach diplomatischem Druck Deutschlands Seppelt überhaupt die ursprünglich verweigerte Einreise zur WM erlaubt. Dieser hatte mit seiner Berichterstattung die Aufdeckung des russischen Dopingskandals bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi ins Rollen gebracht.

Dem Entschluss, nun doch nicht zur WM zu reisen, gingen laut ARD Gespräche von Seppelt und verschiedenen ARD-Vertretern mit Außenminister Heiko Maas (SPD) voraus. Maas habe unterstrichen, sich nachdrücklich dafür einzusetzen, dass Medien gerade auch während der WM frei und unabhängig arbeiten können. Es müssten aber auch die Analysen der zuständigen Innenbehörden ernst genommen werden, für Seppelt gebe es demnach Risiken.

Der Journalist erklärte, er könne sich "den Sicherheitswarnungen des Bundeskriminalamts nicht verschließen". "Insgesamt ist es eine besorgniserregende Entwicklung für den Sportjournalismus, wenn die Ausübung des Jobs bei der Fußball-WM mit kaum kalkulierbaren Risiken und womöglich folgenschweren Konsequenzen verbunden ist."

Baerbock erklärte, Seppelts Fall verdeutliche, "wie dramatisch es um die Pressefreiheit insgesamt in Russland steht". Für den Weltfußballverband Fifa müsse dies auch ein Nachspiel haben. Länder, die keine Pressefreiheit garantierten, dürften zukünftig nicht mehr für solche internationalen Veranstaltungen in Frage kommen.

Auch der Deutsche Journalistenverband sieht nun die Fifa in der Verantwortung. "Der Weltfußballverband muss dafür sorgen, dass Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit haben, frei und ungehindert über die Spiele, aber auch über Land und Leute berichten können", erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Das gelte nicht nur für Russland, sondern auch für künftige Austragungsländer der Weltmeisterschaft.

Ob ranghohe Vertreter der Bundesregierung zur am Donnerstagnachmittag beginnenden WM reisen, ist noch offen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss einen solchen Termin nicht aus. Auch der für Sport zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) würde nach Angaben seines Ministeriums gern zu einem Spiel reisen, einen konkreten Termin gibt es aber bisher weder bei ihm noch bei Merkel.

Der Russlandbeauftragte Wiese rief im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP dazu auf, bei einem Besuch der WM auch Vertreter der russischen Zivilgesellschaft zu treffen. Es sei wichtig, "dass man Gespräche sucht mit der Gesellschaft vor Ort", sagte Wiese. Der SPD-Politiker forderte, "dass man nicht nur eine Viertelstunde vor Spielbeginn ankommt und dann eine Viertelstunde nach 90 Minuten, Verlängerung oder Elfmeterschießen wieder fährt".

Der Vorsitzende der Ethikkommission des Deutschen Fußballbunds, der frühere Außenminister Klaus Kinkel (FDP), plädierte für eine Russlandreise Merkels zur WM. Es dürften "diejenigen, die da auf dem Spielfeld" stehen, nicht für politische Entscheidungen bestraft werden, sagte Kinkel im Südwestrundfunk. Außerdem gehöre der Sport heute einfach zur Außenpolitik.

© 2018 AFP


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