Aramäer kritisieren Haltung der Regierung in "Völkermord"-Debatte

Koalition Einknicken vor Türkei vorgeworfen

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland hat im Zusammenhang mit der Einstufung der Massaker an den Armeniern als Völkermord von einem "absurden Eiertanz" gesprochen.

Berlin - Mit Blick auf den Streit über die Einstufung der Massaker als "Völkermord" sprach der Verband am Donnerstag von einem "absurden Eiertanz". Hintergrund ist eine Debatte dazu am Nachmittag im Bundestag.

Im vergangenen Jahr war der 100. Jahrestag der Massaker begangen worden, denen nach armenischen Angaben mehr als 1,5 Millionen Armenier zum Opfer fielen, außerdem Aramäer, Assyrer und Angehörige weiterer christlicher Minderheiten auf dem Boden des damaligen Osmanischen Reichs. In diesem Zusammenhang hatten Bundespräsident Joachim Gauck und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) das damalige Geschehen eindeutig als "Völkermord" eingestuft.

"Von der positiven Dynamik, die im April letzten Jahres durch die deutlichen Worte des Bundespräsidenten, des Bundestagspräsidenten, sowie einzelner Abgeordneter hervorgegangen ist, bleibt nur noch ein Scherbenhaufen übrig", erklärte dazu nun der Bundesverband der Aramäer. "Dieser Eiertanz ist absurd und einer angemessenen Erinnerungskultur im Hinblick auf die armenischen, aramäischen und griechischen Opfer des Völkermordes und deren Nachfahren in Deutschland unwürdig", erklärte der Verband weiter. Er wandte sich gegen ein Einknicken vor der Türkei.

In der Bundestagsdebatte geht es um einen von den Grünen eingebrachten, ursprünglich aber auch mit Union und SPD abgestimmten Antrag, in dem auch der Begriff "Völkermord" genannt wird. Mit Rücksicht auf die Zusammenarbeit mit der Türkei in der Flüchtlingsfrage wollen die Koalitionsfraktionen dem aber nun nicht mehr zustimmen.

(xity, AFP)