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AfD bemüht sich um Ende von Führungsstreit

Warnungen vor Zerfall der Partei

Nach tagenlangem Streit an der AfD-Spitze haben sich führende Politiker der Partei bemüht, die internen Konflikte beizulegen.

Berlin - Auf einer Telefonkonferenz wurde nach Parteiangaben vereinbart, weitere öffentliche Auseinandersetzungen zu vermeiden. Ko-Sprecherin Frauke Petry sagte der "Saarbrücker Zeitung", sie setze weiterhin auf eine Zusammenarbeit mit dem von ihr wiederholt kritisierten Parteichef Bernd Lucke.

An der Telefonkonferenz nahmen neben Lucke und Petry auch Ko-Parteichef Konrad Adam und Parteivize Alexander Gauland teil, wie die AfD-Pressestelle auf Anfrage mitteilte. Diese hätten sich darauf verständigt, zeitnah zu einem persönlichen Gespräch zusammenzukommen, in dem "die Personaldebatten der vergangenen Tage aufgearbeitet" werden sollten. Ein Termin war demnach aber noch offen.

In der "Bild"-Zeitung warnte Adam vor einem Zerfall der AfD. "Wir sind als neue Partei an dem Punkt, den man bei der Weinzubereitung Sauser-Stadium nennt. Das ist riskant, das kann das Fass auseinanderreißen."

Der Hamburger AfD-Chef Jörn Kruse wies im Düsseldorfer "Handelsblatt" darauf hin, dass die Streitigkeiten den Wahlkampf der Partei für die Bürgerschaftswahl am 15. Februar belasteten. Er äußerte sich aber "zuversichtlich, dass alle rechtzeitig vernünftig werden".

In dem Streit geht es um die künftige Führungsstruktur der Partei. Derzeit stehen drei Vorstandssprecher gemeinsam an der Spitze der AfD: Lucke, Petry und Adam. Lucke will aber den alleinigen Vorsitz übernehmen. Ein weiterer Streitpunkt ist der Umgang der AfD mit der islamfeindlichen Pegida-Bewegung, die besonders Parteivize Hans-Olaf Henkel kritisch sieht.

Medienberichten vom Wochenende zufolge warfen mehrere AfD-Funktionäre Lucke in einem Brief "Führung nach Gutsherrenart" vor. Ein Anlass war, dass der Parteichef offenbar ohne Abstimmung mit dem Vorstand für den 18. Januar alle Landes- und Kreisvorsitzenden zu einer Konferenz in Frankfurt eingeladen hat, um den Ende Januar anstehenden Bundesparteitag in Bremen vorzubereiten.

Petry riet Lucke nun, die Auseinandersetzung nicht persönlich zu nehmen. Sie äußerte auch die Hoffnung, dass Lucke an der Parteispitze mit dabei bleibe: "Das möchte ich. Ich wünsche mir umgekehrt, dass er auch diejenigen, die die Partei ebenso mitgeprägt haben, mehr respektiert."

Eine alleinige Übernahme der Parteiführung durch Lucke lehnte Petry erneut ab. Kruse sagte allerdings, Lucke werde "auf jeden Fall die Nummer Eins der Partei" bleiben, Satzungsfragen seien dabei "zweit- oder drittrangig".

Im Zuge des Streits war auch bekannt geworden, dass Henkel in einem Schreiben Adam vorgeworfen hatte, von "Ehrgeiz zerfressen" zu sein. Er hoffe, "der letzte Akt wird bald aufgeführt und sie treten von der Bühne", schrieb Henkel demnach weiter.

Adam sagte dazu der Zeitung "Die Welt", er habe die "beleidigende" E-Mail von Henkel vor über einer Woche erhalten und kurz geantwortet. Seitdem gebe es keinen schriftlichen Kontakt mehr zwischen ihnen. Er könne sich aber eine Zusammenarbeit mit Henkel weiterhin vorstellen, wenn dieser "zu angemessenen Umgangsformen zurückfindet".

(xity, AFP)


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