Ärztepräsident fordert tägliche Corona-Tests an Schulen

Intensivmediziner plädieren wegen Delta-Variante für höheres Impftempo

Die Bundesärztekammer und der Lehrerverband haben angesichts steigender Corona-Zahlen und der Delta-Variante mehr Schutzmaßnahmen an Schulen gefordert.

Die Bundesärztekammer und der Lehrerverband haben angesichts steigender Corona-Zahlen und der Delta-Variante mehr Schutzmaßnahmen an Schulen gefordert. Zur Verringerung der Infektionsdynamik und um Wechselunterricht zu vermeiden, müssten "tägliche Testungen vor Unterrichtbeginn" ermöglicht werden, sagte Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitagsausgabe). Der Lehrerverband plädierte für eine Maskenpflicht im Unterricht für alle Altersstufen. Die Intensivmediziner forderten ein höheres Impftempo.

"Kinder und Jugendliche brauchen für eine gesunde Entwicklung einen geregelten Schulbetrieb mit sozialen Kontakten", zeigte sich Ärztepräsident Reinhardt besorgt. Deshalb müssten in den Sommerferien Infektionsschutzmaßnahmen vorbereitet werden. "Die bisher in vielen Ländern üblichen zwei Schnelltests pro Woche reichen bei weitem nicht aus", warnte Ärztepräsident Reinhardt.

"Wir brauchen zum Schuljahresstart eine Phase mit besonderen erhöhten Infektionsschutzmaßnahmen an Schulen, unserer Ansicht nach eher für zwei Monate als für einen Monat", sagte auch Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "In dieser Phase sollte eine vollständige Maskenpflicht auch während des Unterrichts für alle Altersstufen gelten", fügte er hinzu. "Dies ist notwendig, um eine verstärkte Einschleppung der Deltavariante über ungeimpfte Kinder in die Schulen zu verhindern."

Anderthalb Wochen vor dem Ende der Sommerferien in Schleswig-Holstein sagte Landesbildungsministerin Karin Prien (CDU) gegenüber der Zeitung "Welt", vollständig geimpfte oder genesene Lehrer und Schüler würden von der Testpflicht an den Schulen befreit - Ungeimpfte müssen sich in den ersten drei Schulwochen noch regelmäßig testen lassen.

Prien appellierte außerdem an alle an Schulen Beschäftigte und erwachsene Schüler, sich impfen zu lassen. Auch Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sollten "im Gespräch mit den Eltern, nach ärztlicher Aufklärung und sorgfältiger Risikoabwägung die Möglichkeit zur Impfung nutzen", sagte sie.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen liegt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vom Freitagmorgen bei 13,2. Eine Woche zuvor hatte sie noch bei 8,6 gelegen. Laut RKI wurden binnen 24 Stunden 2089 Corona-Neuinfektionen sowie 34 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus registriert.

Zuletzt zeichnete sich wieder ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen ab. Die Intensivmediziner forderten daher eine Erhöhung des Impftempos. "Nur so lässt sich die vierte Welle abschwächen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Angesichts der auch in Nordrhein-Westfalen gestiegenen Corona-Zahlen kündigte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) gegenüber dem "Kölner Stadtanzeiger" eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen an. Ab Montag gilt wahrscheinlich wieder die Inzidenzstufe 1, bei der es im Gegensatz zur aktuell gültigen Stufe 0 wieder erste Vorsichtsmaßnahmen gibt.

Zur Corona-Situation in den Hochwassergebieten in seinem Bundesland sagte Laumann, es sei noch keine besondere Infektionsentwicklung zu beobachten. "Das ist allerdings kein Anlass für eine Entwarnung", sagte der CDU-Politiker.

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