Ärztekammern: Zahl der Behandlungsfehler 2015 zurückgegangen

Ärztevertreter klagen über steigende Arbeitsbelastung

Die Zahl der Behandlungsfehler ist im vergangenen Jahr zurückgegangen.

Berlin - Insgesamt bestätigten die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen im Jahr 2015 in rund 2130 Fällen einen Behandlungsfehler, wie die Bundesärztekammer (BÄK) am Mittwoch in Berlin mitteilte. Die häufigsten Diagnosen, die beanstandet wurden, betrafen demnach Knie- und Hüftgelenkarthrosen sowie Frakturen an Unterschenkel und Sprunggelenk.

Insgesamt gingen bei den Ärztekammern im vergangenen Jahr mehr als 11.800 Patientenbeschwerden wegen vermuteter Behandlungsfehler ein. Das waren etwa 230 Anträge weniger als im Jahr davor. Rund 7200 der Beschwerden wurden weiterbearbeitet - in 2132 Fällen wurde ein ärztlicher Fehler bestätigt. 2014 waren noch rund 2250 Behandlungsfehler registriert worden.

In 1774 der bestätigten Fälle wurden ein Behandlungsfehler beziehungsweise eine mangelnde Risikoaufklärung als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der laut Bundesärztekammer einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete. In knapp 360 Fällen lag zwar ein Behandlungsfehler vor, ein Zusammenhang mit einer möglichen Schädigung des Patienten wurde jedoch nicht bestätigt, so dass die Patienten keine Ansprüche auf Entschädigung haben.

Die Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, Kerstin Kols, erklärte, die Zahl der festgestellten Fehler liege gemessen an den gesamten Behandlungsfällen im Promillebereich. Peter Hinz, Leitender Oberarzt für Unfall-, Wiederherstellungschirurgie und Rehabilitative Medizin der Universitätsmedizin Greifswald, betonte zugleich: "Auch wenn selten etwas passiert, ist jeder Fehler einer zu viel."

Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern dienen bei Arzthaftungsstreitigkeiten als eine unabhängige, außergerichtliche Anlaufstelle für Patienten. Sie bewerten laut BÄK gut ein Viertel aller vermuteten Arzthaftungsfälle in Deutschland. In rund 90 Prozent der Fälle wurden demnach die Entscheidungen der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen von beiden Parteien akzeptiert und die Streitigkeiten beigelegt.

Für Fehler und Komplikationen machen Ärztevertreter die steigende Arbeitsbelastung in Kliniken und Praxen mitverantwortlich. So habe sich die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle zwischen 2004 und 2014 um 152 Millionen auf 688 Millionen Fälle erhöht. Im stationären Bereich seien 2014 mehr als 19 Millionen Patienten behandelt worden.

"Da nützt es wenig, dass die Politik eine Qualitätsoffensive für das Gesundheitswesen ausgerufen hat", erklärte Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der BÄK. Nötig sei vor alle eine ausreichende Finanzierung der Personalkosten.

Die Grünen forderten erneut einen Härtefallfonds für Patienten. Die Behandlungsfehler-Statistik der Ärzteschaft sei "nur die Spitze des Eisbergs", erklärte Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Gesundheitspolitik der grünen Bundestagsfraktion. Wenn Patienten einen schwerwiegenden Schaden erleiden, aber nicht eindeutig festgestellt werden könne, ob ein Behandlungsfehler dafür ursächlich ist, müsse ein Härtefallfonds greifen.

Auch die Haftpflichtversicherer, Gerichte und Krankenkassen befassen sich mit Vorwürfen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern. Die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) prüften 2014 rund 14.600 solcher Beschwerden. In jedem vierten Fall bestätigten die Gutachter den Verdacht der Patienten.

(xity, AFP)