24.09.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Ärzte: Infusionen können bei Ebola mitentscheidend sein

Ärzte: Infusionen können bei Ebola mitentscheidend sein

Mediziner äußern sich zu erfolgreicher Behandlung

Neben aufwändigen intensivmedizinischen Begleittherapien können offenbar auch relativ unkomplizierte Infusionen eine entscheidende Rolle bei der Rettung von Ebalo-Kranken spielen.

Berlin - Das berichteten Ärzte des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) unter Verweis auf ihre Erfahrungen bei der erfolgreichen Behandlung eines infizierten WHO-Experten aus Afrika vor einigen Wochen.

Es scheine so zu sein, dass die Sterblichkeit durch die Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushalts und der Ernährung sowie die Steuerung des Blutzuckerspiegels mittels Infusionen "deutlich gesenkt werden kann", sagte der Behandlungsleiter und Tropenarzt Stefan Schmiedel in Hamburg vor Journalisten. Diese Erkenntnis sei auch für die Helfer in den westafrikanischen Ebola-Epidemiezonen hilfreich, die nicht über Intensivstationen wie in westlichen Industrieländern verfügten. "Das kann jede Krankenschwester und jeder Arzt", sagte der Mediziner zu den Infusionen.

Die Hamburger Experten wiesen darauf hin, dass die Erkenntnisse zur Rolle von Begleittherapien bei Ebola-Infektionen nicht grundsätzlich neu seien. Sie hätten sich aber nun mit ihrem Patienten an einem konkreten und gut dokumentierten Einzelfall klar bestätigt. Der WHO-Mitarbeiter war den Angaben zufolge ohne experimentelle Medikamente behandelt worden, die anderorts schon zum Einsatz kamen.

Die Ebola-Erkrankung sei "im Wesentlichen eine sehr schwere Magen-Darm-Infektion", sagte Schmiedel. In der Folge sei das Verdauungssystem "gelähmt" worden und der Patient habe durch unterstützende Maßnahmen wie die Gabe von Flüssigkeit und Nahrung stabilisiert werden müssen. Dem körpereigenen Immunsystem des Mannes sei es dadurch offenbar ermöglicht worden, gegen das Virus vorzugehen, ergänzte der Arzt. Er und seine Kollegen veröffentlichten ihre Folgerungen wegen des großen Interesses in Fachkreisen in einem Fallbericht im "New England Journal of Medicine".

Nach Klinikangaben erhielt der unter starkem Durchfall und Erbrechen leidenden WHO-Mitarbeiter in den ersten Phase seiner Behandlung die extrem große Menge von bis zu zehn Liter Flüssigkeit pro Tag per Infusion. Ebenso wichtig für das Überleben war nach Angaben der Ärzte im weiteren Verlauf auch die Antibiotika-Behandlung einer Blutvergiftung, die sich der Patient als Sekundärkomplikation der Ebola-Infektion zugezogen hatte.

Schmiedel zufolge zerstört das in den Verdauungsorganen wütende Virus auch die körpereigenen Schutzbarrieren und sorgt so dafür, dass Darmbakterien ins Blut gelangen und einen septischen Schock auslösen, der tödlich sein kann. Im Fall des Hamburger WHO-Mitarbeiters sei die Situation zwischenzeitlich besonders bedrohlich gewesen, weil sich die auslösenden Darmbakterien als resistent gegen die in solchen Fällen üblichen Standard-Antibiotika erwiesen.

Das aggressive Ebola-Virus zerstört unter anderem die Wände kleiner Blutgefäße in Geweben und inneren Organen, was zu Blutungen, tiefgreifenden Funktionsstörungen und hochkomplexen Folgeproblemen etwa bei der Blutgerinnung führt. Viele Patienten sterben an solchen Komplikationen.

In Westafrika wütet seit mehreren Monaten die schwerste Ebola-Epidemie der Geschichte. Es starben bereits fast 5000 Menschen. Deutsche Spezialkliniken nahmen bisher drei Experten auf, die sich beim Kampf gegen die Seuche vor Ort infiziert hatten. Der WHO-Mitarbeiter in Hamburg wurde Anfang Oktober geheilt entlassen.

(xity, AFP)


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