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Ärzte führen Behandlungsfehler auf mehr Stress zurück

Zahl der bestätigten Fehler bleibt relativ konstant

Die Ärztekammern führen Behandlungsfehler auch auf überlange Arbeitszeiten und wachsenden Leistungsdruck zurück.

Berlin - Die Arbeitsintensität und die Zahl der Behandlungsfälle sei in den vergangenen Jahren "enorm gestiegen", erklärte die Bundesärztekammer (BÄK) in Berlin bei der Vorstellung der aktuellen Fehlerstatistik. Umso bemerkenswerter sei es, dass die Zahl der festgestellten Behandlungsfehler seit Jahren relativ konstant geblieben sei.

"Jeder Behandlungsfehler ist einer zuviel", erklärte Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen. Gemessen an der Gesamtzahl der Behandlungsfälle lägen sie aber "im Promillebereich".

Bei den Ärztekammern sind demnach 2013 insgesamt 12.173 Patientenbeschwerden wegen vermuteter Behandlungsfehler eingegangen. Das waren nur geringfügig weniger als im Vorjahr. Fast 8000 Fälle davon wurden von den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft weiterbearbeitet - in 2243 Fällen wurde der Verdacht auf einen Behandlungsfehler bestätigt.

Im Vergleich zum Vorjahr mit 2280 bestätigten Fällen war dies ein leichter Rückgang. In 1864 Fällen waren laut Gutachten die Behandlungsfehler Ursache für einen Gesundheitsschaden, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung rechtfertigte.

Die häufigsten Behandlungsfehlervorwürfe betrafen 2013 wie bereits in den Vorjahren die Diagnose einer Knie- und Hüftgelenkarthrose sowie Brüche an Unterschenkel und Sprungelenken.

Crusius warnte erneut davor, Behandlungsfehler per se mit Ärztepfusch gleichzusetzen. "Wir Ärzte machen Fehler, wir sind aber keine Pfuscher", erklärte er. Es werde nichts unter den Tisch gekehrt. Die Ärzteschaft mache ihre Fehler seit Jahren öffentlich.

Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern dienen bei Arzthaftungsstreits als eine unabhängige, außergerichtliche Anlaufstelle für Patienten. Sie bewerten den Angaben zufolge gut ein Viertel aller vermuteten Arzthaftungsfälle in Deutschland. In rund 90 Prozent der Fälle werden die Entscheidungen der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen laut Bundesärztekammer von beiden Parteien akzeptiert und die Streitigkeiten beigelegt.

Auch die Haftpflichtversicherer, Gerichte und Krankenkassen befassen sich mit Vorwürfen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hatte im vergangenen Jahr rund 14.600 Gutachten erstellt - in knapp 3700 der Fälle wurde ein Behandlungsfehler bestätigt.

(xity, AFP)


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