Vortragsreihe in der Mahn- und Gedenkstätte

Erinnerung an Beginn der Deportationen 1941

Eine neue Vortragsreihe in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf erinnert an den Beginn der Deportationen im Herbst 1941.

Düsseldorf - Mit einer dreiteiligen Vortragsreihe erinnern die Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt Düsseldorf, der Erinnerungsort Alter Schlachthof an der Hochschule Düsseldorf und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf an den Herbst 1941, an die Betroffenen und Opfer, aber auch an die Täter, die Profiteure und Zuschauer. Die drei Vorträge finden in der Berger Kirche an den historischen Jahrestagen und in Verbindung mit den diesjährigen "Aktionswochen gegen Antisemitismus" statt.

Bei einem Pressegespräch am Dienstag, 26. Oktober 2021, informierten die Veranstalterinnen und Veranstalter über die historischen Hintergründe und die Veranstaltungsreihe. Als Gesprächspartnerinnen und -partner vor Ort waren Dr. Bastian Fleermann, Hildegard Jakobs und Astrid Hirsch-von Borries von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf sowie Dr. Joachim Schröder vom Erinnerungsort Alter Schlachthof.

Die drei Vorträge finden jeweils um 18:00 Uhr in der Berger Kirche, Wallstraße 17, statt:

Mittwoch, 27. Oktober 2021
(Bereits ausgebucht) Vortrag von Hildegard Jakobs: "Deportiert nach Łódź am 27. Oktober 1941"

Über die erste Deportation berichtet Hildegard Jakobs, die stellvertretende Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. Sie hat über diesen Transport ein langjähriges Forschungsprojekt zusammen mit Angela Genger geleitet. Sie sind den Spuren der Deportierten gefolgt und haben Fotografien, Briefe und Dokumente zusammengetragen.

Vorgeschichte und Ablauf des Transports, die Ankunft und die Eingewöhnung an die Verhältnisse im Ghetto, Unterkunft, Versorgung und Arbeitsalltag werden anschaulich geschildert. Anhand konkreter biographischer Beispiele, beispielsweise Rabbiner Klein und seiner Frau Lilli, wird der Blick auf die betroffenen Menschen, ihr Leid, ihre Überlebenshoffnungen und ihre individuellen Lebensumstände in der Zwangsgemeinschaft des Ghettos gelenkt. So entsteht ein eindringliches Zeugnis des Völkermordes an der jüdischen Bevölkerung, der auch in Düsseldorf seinen Ausgang nahm.

Donnerstag, 10. November 2021
Vortrag von Dr. Bastian Fleermann: "Deportiert nach Minsk: Der Transport vom 10. November 1941 in die weißrussische Hauptstadt"

Der Vortrag von Dr. Bastian Fleermann erläutert die Umstände der zweiten großen Deportation jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus dem Regierungsbezirk. Dieser fand am 10. November 1941 statt und betraf 992 Menschen aus den drei Städten Düsseldorf, Essen und Wuppertal. Das 2012 aufgetauchte, recht umfangreiche Verlaufsprotokoll ("Bericht über Judenevakuierung") eines Düsseldorfer Schutzpolizeioffiziers, der mit seinen Beamten den Transport begleitete und bewachte, ermöglicht als unmittelbare Quelle Einblicke in den Ablauf und die Organisation einer solchen Verschleppung aus Sicht eines beteiligten Täters.

Mittwoch, 8. Dezember 2021
Vortrag von Dr. Joachim Schröder: "Verschleppt nach Riga: Die Deportation am 11. Dezember 1941"

In seinem Vortrag berichtet Dr. Joachim Schröder, Leiter des Erinnerungsortes Alter Schlachthof, über den Verlauf der dritten Massendeportation aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf. Sie nahm, wie die ersten beiden Deportationen, am Düsseldorfer Schlachthof ihren Ausgang - genau dort, wo heute der Erinnerungsort Alter Schlachthof diese Verbrechen in seiner Dauerausstellung dokumentiert. Die ganze Nacht mussten die Menschen in der kalten, schmutzigen Viehhalle ausharren, voller Ungewissheit vor dem Kommenden: "In den Steintrögen des Schlachthofs lagen Babies und Kleinkinder und weinten die ganze Nacht", erinnerte sich später die Überlebende Hilde Sherman-Zander aus Mönchengladbach.

Die Gestapo verschleppte 1.007 Jüdinnen und Juden, überwiegend aus dem linksrheinischen Gebiet, in das Ghetto in Riga. Der Transport hat es durch den überlieferten, zynischen Bericht des Polizei-Offiziers Salitter, der ihn mit seinen Beamten überwachte, zu einer traurigen Berühmtheit gebracht. Anhand verschiedener Augenzeugenberichte von Überlebenden wie Hilde Sherman-Zander, Sophie Nathan, Liesel Ginsburg, Irene Dahl, Ilse Rübsteck und anderen wird das Leben und Überleben im Ghetto von Riga anschaulich geschildert.