Uniklinik Düsseldorf warnt vor früher Grippewelle

"Grippe und RSV sind aktuell das Hauptproblem"

Die Zahlen für Nordrhein-Westfalen sind außergewöhnlich: In der 46. Kalenderwoche wurden im ganzen Bundesland 1057 Grippe-Erkrankungen (Influenza) gemeldet.

Düsseldorf - Seit Erfassung der Daten ist das für diese frühe Phase der Grippesaison mit großem Abstand ein Rekordwert. Das historische Hoch lag bisher zum gleichen Zeitpunkt bei 23 Meldungen. „Wir reden zwar noch nicht von hohen absoluten Zahlen“, sagt Prof. Dr. Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Düsseldorf (UKD). „Wir sind aber in einer Phase, in der sich eine Welle aufbaut - und zwar sehr viel früher als gewohnt.“

Schon im vergangenen September äußerte Prof. Timm die Sorge, dass mit einem erhöhten Influenza-Infektionsgeschehen zu rechnen sein könnte. Als Begründung führte er an, dass viele Menschen aufgrund corona-bedingter Hygiene-Maßnahmen zwei Jahre lang nicht mit der Grippe in Kontakt gekommen seien. „Diese Nach-Immunisierung, die wir auch durch Infektionen bekommen, die hilft natürlich auch, die Grundimmunität in der Bevölkerung zu erhalten“, so Prof. Timm. Sprich: Wenn die Grippewelle ausfällt, wird die Gesellschaft in der darauffolgenden Saison umso anfälliger. Gleiches dürfte auch für die Verbreitung von RS-Viren gelten. Hier sehen sich Kinderärztinnen und -ärzte aktuell mit vielen erkrankten Kindern konfrontiert.

Es ist von einer früheren Welle auszugehen

In einer klassischen Grippesaison wird der Höhepunkt mit den meisten Erkrankten im März verzeichnet. „Da wir jetzt schon einen spürbaren Anstieg an Erkrankungen feststellen, ist von einer stärkeren Welle auszugehen“, so Prof. Timm. „Allerdings tragen die vergangenen zwei Pandemiejahre und die damit einhergehende Sondersituation dazu bei, dass es bei der Deutung der aktuellen Zahlen auch Unsicherheiten gibt.“

Dennoch empfiehlt Prof. Timm die Grippeschutzimpfung, insbesondere für:

- Menschen im Alter über 60 Jahren
- Risikogruppen, z.B. Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen an der Lunge
- Medizinisches Personal
- Menschen mit viel Kontakten zu anderen Menschen
- Schwangere (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel)

Es sei zwar nicht davon auszugehen, dass die Impfung die Verbreitung der Grippe verhindere. „Die Impfung sorgt aber im Regelfall für einen guten persönlichen Schutz und trägt gewaltig dazu bei, dass man nicht schwer erkrankt“, sagt Prof. Timm.