Spahn: "Es bleibt kein Impfstoff liegen"

Gesundheitsminister und Ärztepräsident rufen zur Impfung mit AstraZeneca auf

Jens Spahn plädiert dafür, eine angebotene Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin anzunehmen.

Berlin - "Alle drei Impfstoffe sind sicher und wirksam", sagte Spahn am Freitag in Berlin. Die Bundesländer könnten zudem schon bald den Menschen in der zweiten Prioritätsgruppe ein Impfangebot machen.

Der Impfstoff von AstraZeneca ist in Deutschland nur bis zum Alter von 64 Jahren empfohlen. In den vergangenen Tagen waren aus mehreren Ländern Meldungen gekommen, dass jüngere Menschen mit erster Priorität - etwa Beschäftigte in Krankenhäusern - das Vakzin nicht wollten oder die beiden anderen derzeit zugelassenen Impfstoffe von Biontech und Moderna bevorzugten.

"Es bleibt nichts liegen", sagte Spahn dazu. Wenn jemand die Impfung nicht wolle, werde sie dem nächsten angeboten. Er sprach sich dafür aus, die geplante Impfreihenfolge beizubehalten.

"Die Gruppe zwei ist sehr groß, das sind einige Millionen Menschen", sagte Spahn. Sie umfasse unter anderem Beschäftigte im Gesundheitswesen, Polizisten im Einsatz, jüngere Menschen mit relevanten Vorerkrankungen und - falls die Impfverordnung demnächst geändert werde - auch Erzieherinnen und Lehrkräfte an Grundschulen. Wenn diese Menschen ein Angebot bekommen hätten, käme die nächste Gruppe an die Reihe.

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) regte dagegen eine Diskussion über die Reihenfolge zu einem späteren Zeitpunkt an. Wenn der Impfstoff in den priorisierten Gruppen nicht angenommen werde und es gleichzeitig Menschen gebe, die geimpft werden wollten, sollten Bund und Länder prüfen, "wie wir das hinkriegen", sagte Holetschek bei der gemeinsamen Pressekonferenz.

Spahn sagte, dass die Ständige Impfkommission derzeit ausdrücklich nicht empfehle, den Impfstoff zwischen der ersten und zweiten Impfung zu wechseln, weil es dazu noch keine Studien gebe. Wenn es später ausreichend Impfstoff gebe, könne sich jeder aber natürlich noch einmal mit einem anderen Vakzin impfen lassen.

Auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Robert Wieler, rief zur Impfung mit AstraZeneca auf. Alle drei bislang in Deutschland zugelassenen Impfstoffe seien sicher und wirksam und schützten nach aktuellem Wissensstand auch vor Erkrankungen durch die neuen Virusvarianten, sagte Wieler.

Ähnlich äußerte sich Klaus Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer, am Freitag in der "Rheinischen Post". "Wir sollten jetzt keine Zeit mit einer Debatte darüber vergeuden, ob wir den guten oder einen vermeintlich noch besseren Impfstoff möchten", sagte er der Zeitung.

Oberste Priorität müsse sein, in dieser Notlage möglichst schnell möglichst viele Menschen zu impfen. Die derzeit in Deutschland verfügbaren Impfstoffe hätten alle notwendigen Prüfungen durchlaufen. "Sie helfen also, schwere Krankheitsverläufe und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden", sagte Reinhardt.

(xity, AFP)